Verben: Groß- oder Kleinschreibung?

Falsche Großschreibung von Verben

Ich stoße immer wieder auf Verben, bei deren Schreibweise Unklarheiten zu herschen scheinen, ob hier die Groß- oder Kleinschreibung gilt. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach!

Es scheinen große Unsicherheiten vorzuherrschen, ob bei Verben und mitunter auch Adverbien die Groß- oder Kleinschreibung gilt. Jedenfalls stolpere ich immer wieder über solche Fehlleistungen. Hier einige Beispiele und deren Erklärungen:

„Aufnehmen, Abtippen und Analysieren trotz Corona“?

Falsche Großschreibung von Verben

Ob mit oder ohne „Corona“, so geht „Aufnehmen, Abtippen und Analysieren“ nicht! Hier sieht es zunächst so aus, als handele es sich um substantivierte Verben. Lese ich jedoch weiter, stelle ich fest, dass die freien Beschäftigten trotz der Corona-Krise vom eigenen Zuhause aus weiterhin bequem „aufnehmen, abtippen und analysieren“ können. Es handelt sich also um Verben, die im Infinitiv stehen, und die sind klein zu schreiben! (Aus einem Rundschreiben einer Transkriptions- und Abtipper-Stellenvermittlung, zum Vergrößern anklicken.)

„Petition Unterzeichnen“?

Petition Unterzeichnen„Petition Unterzeichnen“? Nein, unterzeichnen! Hier ist ein Verb, das dazu noch im Infinitiv steht, fälschlicherweise großgeschrieben worden. Dass das für meinen Geschmack außerdem noch potthässlich aussieht, sei hier nur am Rande erwähnt. (Aus einer E-Mail einer internationalen Verbraucherorganisation, zum Vergrößern anklicken.)

„Laufen ohne zu Schnaufen“?

Laufen ohne zu Schnaufen

„Laufen ohne zu Schnaufen“? Nein, ohne zu schnaufen! Hier ist die Infinitivform des Verbs durch das „zu“ sogar noch deutlicher. (Aus einem Nachbarschafts-Netzwerk, zum Vergrößern anklicken.)

„Das prüfen, bewerten und korrigieren“?

Falsche Kleinschreibung bei Substantivierungen

Dieses Beispiel hatten wir hier schon in „Zum Verzweifeln: Kleinschreibung bei Substantivierungen“ behandelt. Es handelt sich hier um substantivierte Verben, die wie ein Hauptwort (Substantiv) großgeschrieben gehören! In diesem Zusammenhang auch häufig gesehen: „zum mitnehmen“. Auch hier liegt eine Substantivierung vor; korrekt ist also „zum Mitnehmen“! (Gelesen in einer Stellenanzeige, zum Vergrößern anklicken.)

„Hör Bald auf“?

Hör Bal auf

„Hör Bald auf“? Nein, hört sofort auf, Adjektive großzuschreiben! Vom falschen Apostroph abgesehen, werden Adverbien kleingeschrieben. Früher hieß es bei der F.A.Z. ja „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“, aber wem und was nützen diese, wenn keine solche im Korrektorat sitzen. (Auf der F.A.Z.-Podcast-Seite gelesen, zum Vergrößern anklicken.)

„Zum frisch Aufbacken“?

Butter-Croissants
zum frisch Aufbacken

Dass in der ersten Zeile tatsächlich ein Bindestrich steht, grenzt an ein Wunder, aber das mit „zum frisch Aufbacken“ sollten sie noch üben! „Zum Aufbacken“ ist eine Substantivierung und so richtig, aber warum wird „frisch“ nicht darin eingeschlossen, also „zum Frisch-Aufbacken“? Und wenn ich bedenke, dass Backwaren zum Aufbacken danach doch eigentlich alle so gut „wie frisch“ sind, erübrigt sich dieses Wörtchen auch. (Gesehen auf einer Packung der Penny-Handelsmarke Best Moments.)

Merke:

Verben und Adverbien werden immer kleingeschrieben, es sei denn, dass es sich um Substantivierungen handelt. Diese kann man daran erkennen, dass sich vor ihnen ein „der“, „die“ oder „das“ setzen lässt. Bei festen Wortgruppen gibt es Ausnahmen, die aber relativ selten sind. Alle genannten Beispiele gehören nicht dazu.

Bei weiteren Fundstücken werden diese hier nachgetragen.

Siehe auch:

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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