Die Gästin? Über geschlechtergerechte Sprache

Ampelmännchen und -frauen bei Rot und Grün

Geschlech­ter­ge­rechte Spra­che emp­fin­den nicht nur Män­ner oft als Krampf. Unsi­cher­hei­ten der schrift­li­chen Umset­zung mögen hier­bei eine große Rolle spie­len. Die­ser Bei­trag soll über mög­li­che, aber auch über unmög­li­che For­men der sprach­li­chen Gleich­stel­lung sowie ein wenig über des­sen Geschichte infor­mie­ren – nicht nur am heu­ti­gen Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag. Und, ja, die Gäs­tin gibt es wirklich!

Die Frage der Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in der Spra­che wird oft als pro­ble­ma­tisch emp­fun­den. Dabei gehört sie zu den wichtig­sten Fra­gen für alle, die sich mit Spra­che beschäf­ti­gen. Laut Bir­git Eick­hoff im Sprach­spie­gel 199 betrifft ein hoher Anteil der Anfra­gen an die Duden­re­dak­tion die­sen Komplex.

Deutsche Geschlechtslexeme
Deut­sche geschlechts­be­zo­gene Lexeme (v. a. für erwach­sene Men­schen) und deren Bezie­hun­gen zuein­an­der (Crissov/​Wiki­me­dia Commons)

Die Doppelnennung

Die Dop­pel­nen­nung femi­ni­ner und mas­ku­li­ner For­men (Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, Schü­le­rin­nen und Schü­ler, jede und jeder usw.) ist hier­bei nicht nur die höf­lichste, son­dern auch die ein­fachste und ein­deu­tigste Vari­ante der sprach­lichen Gleich­stel­lung. Sie ist vor allem in der Anrede üblich.

Die kon­se­quente Dop­pel­nen­nung birgt jedoch Schwie­rig­kei­ten, weil viele sie beson­ders in gespro­che­nen Tex­ten als anstren­gend emp­fin­den. Als eine mög­li­che Lösung böte sich an, Ersatz­for­men zu ver­wen­den. Statt etwa Spre­cher und Spre­che­rin­nen, Hörer und Höre­rin­nen, Schrei­ber und Schrei­be­rin­nen sowie Leser und Lese­rinnen zu erwäh­nen, las­sen sich diese etwa durch Kommunikations­teilnehmer ersetzen.

Die Verwendung von Ersatzformen

Wer die Dop­pel­nen­nung ver­mei­den will, kann Ersatz­for­men ver­wen­den. Statt die Lei­te­rin und den Lei­ter zu nen­nen, kann von der Lei­tung spre­chen oder schrei­ben, statt von Leh­rern und Lehre­rinnen von Leh­ren­den oder den Lehr­kräf­ten, statt dem Wähler­verzeichnis vom Wahl­ver­zeich­nis. Die Stu­die­ren­den aus der Ver­gangen­heit haben sich hier aller­dings als Schlag ins Was­ser heraus­gestellt, da sich das Wort auf Men­schen bezieht, die sich unmittel­bar und aktiv gerade in der Tätig­keit des Stu­die­rens befin­den – was nicht auf jeden Stu­den­ten resp. jede Stu­den­tin zutrifft (siehe hierzu auch ein Gespräch mit Peter Eisen­berg, Lin­gu­ist, Uni­ver­si­tät Pots­dam: „Ein Säug­ling ist nicht das­selbe wie ein Gesäug­ter“ im Deutsch­land­funk vom heu­ti­gen Tage).

Doch wie hand­habe ich geschlech­ter­ge­rechte Spra­che, wenn es sich nicht um eine (An)rede, son­dern um andere Arten von Tex­ten han­delt? Und dann, wenn diese Dop­pel­nen­nung an ihre (meist räum­lichen) Gren­zen stößt, wenn es sich um Kom­po­sita (zusammen­gesetzte Wör­ter) wie etwa „Fuß­gän­ger­über­weg“ und deren Begriffs­erklärung han­delt? Eine Stelle, an der Fuß­gängerinnen und Fuß­gänger eine Straße über­que­ren dürfen?

Die Verwendung des Schrägstrichs

Die häu­figste Form der sprach­li­chen Gleich­stel­lung der Geschlech­ter ist immer noch die Vari­ante mit Schräg­strich und Bin­de­strich: Mit­ar­bei­ter/-in, Kor­rek­tor/-in, Lek­tor/-in usw. Diese Mög­lich­keit ist zugleich von den amt­li­chen Recht­schreib­re­geln des Dudens abge­deckt, wobei der Bin­de­strich nach wie vor vor­geschrieben ist. Aller­dings wird häu­fig aus typo­gra­fi­schen oder ande­ren Grün­den, etwa aus Unkennt­nis die­ser Regel, auf ihn ver­zich­tet: Mitarbeiter/​in, Korrektor/​in, Lektor/​in usw.

Der Ver­wen­dung der Schräg­strich­va­ri­ante sind aus gram­ma­ti­schen Grün­den jedoch Gren­zen gesetzt. Wort­paare, bei denen die femi­nine Form nicht nur durch Anhän­gen einer Endung an die mas­ku­line gebil­det wird, las­sen sich nicht so ein­fach durch den Schräg­strich ver­kür­zen. In sol­chen Fäl­len soll­ten alle For­men aus­ge­schrie­ben wer­den: Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen, Mit­arbeiterinnen und Mit­ar­bei­ter usw. Aber wie beim bereits genann­ten Fuß­gän­ger­über­weg stößt die Schräg­strich­va­ri­ante an eine wei­tere Grenze, wenn es um Wort­zusammensetzungen geht: Fuß­gän­ger/-innen­weg? Fuß­gän­ger/-innen/­weg?

Der Sprach­ge­brauch löst sich jedoch in letz­ter Zeit von star­ren Regeln. Aus prak­ti­schen Grün­den wer­den Dop­pel­for­men häu­fig wie ein Gesamt­wort behan­delt und ent­spre­chend unkom­pli­ziert flek­tiert: den Mitarbeiter/​innen, den Kolleg/​innen, wenn­gleich dies aus genann­ten gram­ma­ti­schen Grün­den eigent­lich nicht zuläs­sig ist.

Die Verwendung von Klammern

Wenn die Schräg­strich­va­ri­ante an ihre Gren­zen stößt, bie­tet die Schrei­bung mit Klam­mern weit­aus mehr Mög­lich­kei­ten, weil sie näm­lich auch im Wortin­ne­ren und im Plu­ral anwend­bar ist: Autor(inn)en, Korrektor(inn)en usw. Zudem kann sie in Fäl­len Anwen­dung fin­den, die eigent­lich gar nicht ver­kürzt dar­stell­bar sind: Ärzt(inn)en, Beamt(inn)en usw.

Die Verwendung von Asterisk und Unterstrich

Zwei wei­tere, recht krea­tive ver­kürzte Schreib­va­ri­an­ten zur Gleich­stellung der Geschlech­ter fin­den sich immer häu­fi­ger: der Aste­risk (das Stern­chen) und der Unter­strich. Bei­spiele fin­den sich in: Lehrer*innen, Mitarbeiter*innen; Besucher_​innen und Händler_innen.

Das Stern­chen, ursprüng­lich über­wie­gend im uni­ver­si­tä­ren Umfeld ver­wen­det, fin­det sich oft in Kon­tex­ten, in denen auf­grund aktu­el­ler Trans­gen­der- und Inter­se­xua­li­täts­de­bat­ten nicht mehr von einem rein binä­ren Sys­tem der Geschlech­ter aus­ge­gan­gen wird. Ähn­li­ches gilt für den Unter­strich, den soge­nann­ten Gen­dergap. Bei­den For­men gemein ist, dass sie das her­kömm­li­che Schrift­bild bewusst irritieren.

Aste­risk und Unter­strich gel­ten sei­tens der Duden­re­dak­tion jedoch kei­nes­wegs als emp­foh­lene Zei­chen, sind also auch nicht vom amt­li­chen Regel­werk abge­deckt! Wer sich jedoch nicht in einem amt­li­chen Kon­text bewegt, kann sich mit einer die­ser Lösun­gen viel­leicht anfreunden.

Die „Geschlechtsneutralität signalisierende Exemplarizität“

Die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Ulrike Haß-Zum­kehr emp­fiehlt eine „Geschlechts­neu­tra­li­tät signa­li­sie­rende Exem­pla­ri­zi­tät“. Sie sieht vor, dass in Büchern wech­sel­weise Kapi­tel in männ­li­cher und in weib­licher Spra­che ver­fasst wer­den. Hier soll also die femi­nine Form exem­pla­risch, aber nicht immer expli­zit mit­ge­nannt wer­den. Diese Mög­lich­keit ließe sich nicht nur bei län­ge­ren Tex­ten wie eben bei Büchern, son­dern auch in kür­ze­ren anwenden.

Der Verzicht auf das Wörtchen „man“

Geschlech­ter­ge­rechte Spra­che heißt wei­ter­hin bei­spiels­weise auch, auf den Gebrauch des Wört­chens „man“ für „irgend­eine®, jede® belie­bige (Mensch)“ zu ver­zich­ten. Mög­lich­kei­ten hierzu gibt es genü­gend: jemand (sofern in einer bestimm­ten Situa­tion stell­vertretend für jeder­mann gespro­chen wird), die Leute (stellver­tretend für die Öffent­lich­keit), ich, wir (wenn der Sprecher/​die Spre­che­rin in der All­ge­mein­heit auf­geht oder auf­ge­hen möchte) und du, ihr, Sie oder er, sie (als Aus­druck der Distanz, wenn jemand die direkte Anrede ver­mei­den will). Damit ver­mei­den Sie auch das unsäg­li­che „man und frau“.

Die Geschichte der sprachlichen Gleichstellung und das große I

Bereits 1980 erschie­nen die ers­ten „Richt­li­nien zur Ver­mei­dung sexis­tischen Sprach­ge­brauchs“. Hierin ging es nicht nur um die Vermei­dung der Anrede „Fräu­lein“, son­dern auch um direkte gesell­schafts­verändernde Ansprü­che. Das große oder auch Binnen‑I taucht hier zwar noch nicht auf, doch scheint es so zu sein, dass die gesell­schaftliche Wahr­neh­mung erst durch des­sen ver­mehr­tem Gebrauch ein­setzte. Auch des­halb, weil das Binnen‑I als pro­vo­kant emp­fun­den und meist abge­lehnt wurde – und wird!

Die „Gästin“ und die Brüder Grimm

Die weib­li­che Eman­zi­pa­tion hat inzwi­schen zumin­dest sprach­lich auch in die Mär­chen­welt Ein­zug gehal­ten. Nicht nur die Dis­kus­sion dar­über, ob „Moh­ren“ und „Neger­lein“ dis­kri­mi­nie­rend ist, son­dern auch, ob es neben dem Dra­chen nicht auch eine Dra­chin geben solle, ist durch­aus aktuell.

Wie aber spre­chen wir von einem weib­li­chen Gast? Ganz ein­fach: von einer Gäs­tin! Sie ist laut Duden sogar kor­rekt. Wenn­gleich sie im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch viel­leicht irri­tie­ren mag, ist sie keines­wegs weib­li­cher Spra­ch­eman­zi­pa­tion geschul­det. Ganz im Gegen­teil: Die Gäs­tin gehört zu den weib­li­chen For­men, die, wie übri­gens auch die Enge­lin oder die Geis­tin, bereits im Wör­ter­buch von Jacob und Wil­helm Grimm auf­ge­führt und mit zahl­rei­chen Beleg­stel­len unter­füttert wor­den sind! Auf dem Weg vom spä­ten 19. bis ins 21. Jahr­hundert war sie aus der All­tags­spra­che ver­schwun­den, heute taucht sie wie­der auf.

Geschlechtergerechte Sprache: Wie halten Sie es damit?

Doch wie hal­ten Sie es selbst mit dem geschlech­ter­ge­rech­ten Sprach­gebrauch? Wel­che Mög­lich­kei­ten nut­zen Sie? Gibt es bei Ihnen even­tu­ell sogar dienst­li­che Vor­schrif­ten? Oder leh­nen Sie ihn grund­sätz­lich ab?

Auf span­nende Kom­men­tare auch über den heu­ti­gen Inter­nationalen Frau­en­tag hin­aus freut sich der Autor, der tat­säch­lich ein Autor ist!

Siehe auch

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

24 Kommentare

  1. Danke, Salz­streuer und ‑In. Uner­träg­lich. Weiß man schon, wie­viele Buch- und andere Sei­ten für die­ses „Hobby“ den Wäl­dern abge­run­gen wur­den? Haben wir nicht sehr viel Schwer­wie­gen­de­res zu tun, wenn es um Geschlech­ter­gleich­stel­lung geht? Nicht WIR, die Löhne- und Gehäl­ter zah­len­den Arbeit­ge­ber in Wirt­schaft UND Poli­tik. Warum tobt sich dar­über nieMAN(n)nd aus? Die Gerech­tig­keit unter Men­schen, weib­li­chen und männ­li­chen, bleibt auf der Stre­cke und wie es scheint, der gesunde Men­schen­ver­stand auch.

    1. Nun, Frau Wiltsch, „den Wäl­dern abge­run­gen“ wurde für die­ses „Hobby“, wie Sie diese Dis­kus­sion titu­lie­ren, sicher­lich wenig, zumal sie haupt­säch­lich in Kom­men­ta­ren und Foren­bei­trä­gen im WWW statt­fin­det, z. B. hier. Ich stimme Ihnen aber zu, dass es im Hin­blick auf die Geschlech­ter­gleich­stel­lung weit­aus mehr zu tun gibt. Dem, was hin­ter Ihrem zwei­ten Fra­ge­zei­chen folgt, kann ich jedoch nicht fol­gen. Haben Sie die­sen Satz nicht voll­endet? Und von wel­cher „Gerech­tig­keit unter Men­schen, weib­li­chen und männ­li­chen“, spre­chen Sie in die­sem Zusammenhang?

  2. Vie­len Dank für die kurze Über­sicht mög­li­cher Schreib­wei­sen, Herr Filkas.
    Eines hin­ter­ließ bei mir einen leich­ten Bei­geschmack: Im Absatz über die Gäs­tin schrei­ben Sie, dass die­ses Wort „kei­nes­wegs weib­li­cher Spra­ch­eman­zi­pa­tion geschul­det“ sei. Diese For­mu­lie­rung lässt die weib­li­che Spra­ch­eman­zi­pa­tion als etwas Läs­ti­ges daste­hen. Emp­fin­den Sie die eman­zi­pa­to­ri­schen Bemü­hung als lästig?
    Außer­dem würde ich der­ar­tige Bemü­hun­gen die Spra­che für Men­schen aller Geschlech­ter gerech­ter zu gestal­ten nicht als „weib­lich“ abtun (eine Dis­kus­sion dar­über, was alles unter „weib­lich“ ver­stan­den wird, sprengte die­sen Rah­men). Es geht schließ­lich um die Sicht­bar­ma­chung aller Men­schen, die sich nicht mit der her­kömm­li­chen patri­ar­cha­len Spra­che „mit­ge­meint“ füh­len. Sicher­lich stim­men Sie mir darin zu, dass wir daran arbei­ten soll­ten, die binäre Geschlech­ter­norm zu „ver­ler­nen“. Denn nur so kann jenen eine Stimme gege­ben wer­den, die sich selbst jen­seits von „männ­lich“ und „weib­lich“ positionieren.

    1. Nein, Sophie, es geht bei die­ser von Ihnen kri­ti­sier­ten For­mu­lie­rung nicht darum, „weib­li­che Spra­ch­eman­zi­pa­tion als etwas Läs­ti­ges“ dar­zu­stel­len, und auch nicht darum, ob ich „die eman­zi­pa­to­ri­schen Bemü­hung als läs­tig“ emp­finde! Die For­mu­lie­rung, dass das Wort Gäs­tin „kei­nes­wegs weib­li­cher Spra­ch­eman­zi­pa­tion geschul­det“ ist, soll ledig­lich dar­auf hin­wei­sen, dass die­ses Wort weit­aus älter ist als alle Dis­kus­sio­nen über geschlech­ter­ge­rechte Spra­che von heute, was im wei­te­ren Ver­lauf des Absat­zes auch klar wer­den dürfte. Zudem ver­ken­nen Sie, dass mein Bei­trag inzwi­schen fast genau zwei Jahre alt ist. Seit­dem hat sich viel ver­än­dert, beson­ders im Hin­blick auf gen­der­ge­rechte Spra­che, die hier auch nur ange­ris­sen wer­den konnte, weil sie noch nicht ganz den Stel­len­wert hatte, den sie inzwi­schen hat. Ansons­ten stimme ich Ihnen zu.

      Danke für den Kommentar!

    2. Darf ich nach­fra­gen, inwie­weit man bei den Regeln der Genus­kon­gru­enz von „patri­ar­cha­ler Spra­che“ spre­chen kann, und inwie­fern es sich beim gene­ri­schen Mas­ku­li­num um ein „mit­ge­meint sein“ han­delt? Ich ver­mute stark, dass Sie hier das gram­ma­ti­ka­li­sche Genus (das his­to­risch nichts mit dem tie­risch-pflanz­li­chen Geschlecht zu tun hat), mit dem sog. natür­li­chen Geschlecht ver­wech­seln, wohl durch den eng­li­schen Sprach­ge­brauch (gen­der), wo jenes auf die­ses wei­tes­ge­hend ein­ge­engt wurde…

    3. So ein Quatsch.
      Der Grund­feh­ler weib­li­cher Spra­ch­eman­zi­pa­ti­ons­be­mü­hun­gen besteht darin zu behaup­ten, dass das gram­ma­ti­ka­li­sche Geschlecht mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht über­ein­stimme und des­we­gen gegen­dert wer­den müsste.

      Und ja, das ist „läs­tig“ da es sin­nen­stel­lend, text­ver­län­gernd, unver­ständ­lich, unsin­nig und gera­dezu dumm ist, einer sol­chen Über­zeu­gung zu fol­gen und sie umzusetzen.

      Nie­mand, außer ein paar aka­de­mi­schen Wirr­köp­fen fühlt sich aus­ge­schlos­sen, wenn von Lesern, Hörern, oder Zuschau­ern die Rede ist.

      1. Inter­es­sant, dass es haupt­säch­lich (ältere?) Män­ner sind, die sich gegen die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in der Spra­che aus­spre­chen und dabei nicht vor Dif­fa­mie­run­gen wie die von den „aka­de­mi­schen Wirr­köp­fen“ zurück­schre­cken. Aber ver­mut­lich gehö­ren Sie auch zu den Män­nern, die der Ansicht sind, dass „Hose run­ter“ völ­lig aus­rei­chend ist.

  3. Man kann ja über den Nut­zen und Nach­teil soge­nann­ter geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che unter­schied­li­cher Mei­nung sein (ich jeden­falls halte sie des­we­gen für desas­trös, weil uns damit die All­ge­mein­be­griffe abhan­den kom­men und wir die gesamte Mensch­heit stän­dig auf die Geschlech­ter auf­tei­len – als ob wir immer in ers­ter Linie Mann oder Frau wären, und dann erst Mensch), aber was spricht denn bitte gegen das unper­sön­li­che „man“? Und jetzt behaupte bitte nie­MANd, dass dies eigent­lich gleich­be­deu­tend mit Mann ist und man auch des­halb Wör­ter wie Mann­schaft durch das grau­sig-neu­deut­sche „Team“ erset­zen möge: Wer so redet, darf näm­lich auch nicht mehr Mensch (= der Män­ni­sche) sagen…

    1. Wenn Sie schon so weit gekom­men sind, „Mensch“ als von „der Män­ni­sche“ kom­mend ein­zu­ord­nen, frage ich mich, warum Sie nicht auch „man“ auf „Mann“ zurück­füh­ren kön­nen! Laut Duden ist das näm­lich seit dem Alt- und Mit­tel­hoch­deut­schen der Fall. Ob des­we­gen „Wör­ter wie Mann­schaft durch das grau­sig-neu­deut­sche ‚Team‘“ ersetzt wur­den, bezweifle ich doch stark, zumal, um es, wie Sie ver­mut­lich auch, auf die deut­sche Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft zu bezie­hen, es sich um eine reine Mar­ke­ting-Maß­nahme des Deut­schen Fuß­ball-Bunds (DFB) und sei­nem Haupt­spon­sor und Wer­be­part­ner han­delte, die wie­derum viel (durch­aus berech­tigte) Kri­tik wegen des Deng­li­schen aus­ge­löst hatte.

      Vom Gebrauch des Wört­chens „man“ rate ich aber auch aus sti­lis­ti­schen Grün­den ab. Je seriö­ser der Text, desto weni­ger sollte es Ver­wen­dung finden!

      1. Was „Mann­schaft“ und „Team“ angeht: Ich habe der­ar­tige Emp­feh­lun­gen bereits gele­sen. Der ent­schei­dende Punkt ist aber doch der, dass „Mann“ ursprüng­lich (wie in unse­ren Schwes­ter­spra­chen, vgl. engl. „the race of man“, „man­kind“) „Mensch“ bedeu­tet, und erst spä­ter eine Bedeu­tungs­ver­en­gung erfah­ren hat (so par­al­lel in den roma­ni­schen Spra­chen vir -> homo) und so das alte Wort „Wer“ (vgl. „Wer­wolf) ver­drängt hat… Wür­den Sie wirk­lich so pau­schal von „man“ abra­ten? Ich halte auch hier Kon­text und Aus­sage für zentral…

  4. [Ent­fernt. Bitte äußern Sie Ihre Kri­tik sach­lich und nicht belei­di­gend und sehen Sie von Unter­stel­lun­gen ab! Der Administrator]

  5. Hallo,
    ich finde Ihren Ansatzu zu den Ersatz­for­men sehr interessant.

    „Statt etwa Spre­cher und Spre­che­rin­nen, Hörer und Höre­rin­nen, Schrei­ber und Schrei­be­rin­nen sowie Leser und Lese­rin­nen zu erwäh­nen, las­sen sich diese etwa durch Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mer ersetzen.“

    An wel­cher Kom­mu­ni­ka­tion neh­men den Leser und Lese­rin­nen teil? Und wenn Sie die Ersatz­form wäh­len, dann bitte die „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­me­rin­nen“ den „der Teil­neh­mer“ ist noch mas­ku­lin, auch wenn der Plu­ral „die“ Teil­neh­mer ist. Gerade dies sollte doch ver­mie­den werden? 

    Schön, dass Sie auch die Par­ti­zip-For­man anfüh­ren. Eine Bäcke­rin ist eine Bäcke­rin, egal ob sie schläft oder Urlaub hat, „Backende“ (wir sol­len diese Ers­taz­form im Büro so oft es geht benut­zen) sind aber nur im Augen­blick des Backens Backende, kön­nen somit Bäcke­rin­nen oder aber auch Stein­metze sein.

  6. Ich bin inzwi­schen zu der Über­zeu­gung gekom­men, dass jede Art der soge­nann­ten „geschlech­ter­ge­rech­ten Spra­che“ das Fass der Pan­dora weit öff­net, und sei es das kon­ser­va­tive und gram­ma­ti­ka­lisch kor­rekte Leser und Lese­rin­nen. Der sprach­wis­sen­schaft­li­che Irr­tum, der dem gan­zen Unsinn zugrunde liegt, ist die Ver­wechs­lung des „mas­ku­li­nen Genus“ mit einer Bezeich­nung für Men­schen männ­li­chen Geschlechts. Das ist sprach­his­to­risch ganz falsch! Es ist viel­mehr so, dass das „mas­ku­line Genus“ immer schon und in aller­ers­ter Linie geschlechts­neu­tral war: Nicht zufäl­lig ist ja die „männ­li­che Form“ auch die Grund­form und die „weib­li­che“ eine abge­lei­tete. „Geschlechts­be­deu­tung“ ent­wi­ckelt die mas­ku­line Form erst durch die Ein­füh­rung der femi­ni­nen Form (die es ursprüng­lich gar nicht gab!) Und genauso funk­tio­niert unsere Spra­che immer noch: Sage ich Leser, sind Per­so­nen gleich wel­chen Geschlechts ange­spro­chen, sage ich Leser und Lese­rin­nen, so ver­engt sich die Bedeu­tung von Leser auf männ­li­che Indi­vi­duen – und damit beginnt der ganze Ärger. Man müsste des­we­gen eigent­lich das femi­nis­ti­sche Cli­ché dahin­ge­hend kor­ri­gie­ren, dass es eigent­lich die Män­ner sind, die in der Spra­che gar nicht vor­kom­men (im Gegen­satz zu den Frauen)… Die tra­gi­sche Kon­se­quenz der gan­zen fehl­ge­lei­te­ten Debatte um die soge­nannte „Geschlech­ter­ge­rechte Spra­che“ ist es, dass nun erst­mals die „mas­ku­line“ Form ihre all­ge­meine Grund­be­deu­tung zu ver­lie­ren beginnt und wir so unsere All­ge­mein­be­griffe zu ver­lie­ren dro­hen – und das öff­net einer Geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung Tür und Tor. Warum sollte ich einen Arbei­ter und eine Arbei­te­rin gleich behan­deln, wenn es nicht das­selbe zu sein scheint, sieht man ein­mal vom Geschlecht ab? Und die Iro­nie dabei ist, dass die sog. weib­li­chen For­men auf ‑in in Wahr­heit beson­ders patri­ar­cha­lisch sind: Denn eine Bäcke­rin ist in ers­ter Linie die Frau eines Bäckers, und nur nach dem patri­ar­cha­li­schen Ideal arbei­tet die Frau im Haus­halt und Beruf des Man­nes mit und wird dann auch für die Umwelt zur „Bäcke­rin“…

    1. Par­don, aber Ihre Argu­men­ta­tion ist haarsträubend!

      […] sage ich Leser und Lese­rin­nen, so ver­engt sich die Bedeu­tung von Leser auf männ­li­che Indi­vi­duen – und damit beginnt der ganze Ärger. Man müsste des­we­gen eigent­lich das femi­nis­ti­sche Cli­ché dahin­ge­hend kor­ri­gie­ren, dass es eigent­lich die Män­ner sind, die in der Spra­che gar nicht vor­kom­men (im Gegen­satz zu den Frauen)

      Hä?

      […] und das [der angeb­li­che Ver­lust der mas­ku­li­nen Form; Erklä­rung von mir] öff­net einer Geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung Tür und Tor.

      Noch­mals: hä? Wol­len Sie hier Täter-Opfer-Umkehr betreiben?

      Und die Iro­nie dabei ist, dass die sog. weib­li­chen For­men auf ‑in in Wahr­heit beson­ders patri­ar­cha­lisch sind: Denn eine Bäcke­rin ist in ers­ter Linie die Frau eines Bäckers, und nur nach dem patri­ar­cha­li­schen Ideal arbei­tet die Frau im Haus­halt und Beruf des Man­nes mit und wird dann auch für die Umwelt zur „Bäcke­rin“

      Das ist gera­dezu lächer­lich! Ist bei­spiels­weise eine Bür­ger­meis­te­rin nun nur die Frau eines Bür­ger­meis­ters oder könnte sie nicht auch tat­säch­lich eine Bür­ger­meis­terin sein? Mir scheint, dass Sie selbst „dem patri­ar­cha­li­schen Ideal“ doch allzu sehr ver­fal­len sind.

      Bitte ver­scho­nen Sie uns hier mit wei­te­ren Kommentaren!

  7. Guten Abend,

    ich habe dier Lösung gefun­den: wenn wir nicht das Wort ver­än­dern im Duden, son­dern den Arti­kel, ist alles ganz ein­fach. Dier Gast = der Gast und gleich­zei­tig die Gast. Damit ist das Wort Gast sowohl männ­lich als weib­lich zugleich, und ver­schmel­zen die Geschlech­ter im Arti­kel „dier“, näm­lich die und der zugleich. Also schrei­ben wir im Duden: „dier Gast“, „dier Lek­tor“ oder „dier Leh­rer“. Alle neu­tra­len Worte blei­ben so: „das Haus“, „das Auto“, etc. Alle ner­vi­gen und unäs­the­ti­schen Aus­drü­cke wie „Gäs­tin“ oder „Fuß­gän­ge­rin“ kön­nen im Duden weg­ge­las­sen wer­den, wodurch er dün­ner wird und auch bil­li­ger. Und wir kön­nen immer noch „das Arsch­loch“ sagen, ohne Pro­bleme. Prima Lösung, oder? Alles Gute!

    1. Nein, lei­der nicht, weil noch ziem­lich unaus­ge­go­ren. Wie lau­ten bei­spiels­weise die Pos­ses­siv­pro­no­men? „Dier Schü­ler kor­ri­gierte seine/​ihre/​… Haus­auf­ga­ben“? „Dier Gast aß sein/​ihr/​… Essen nicht auf“?

      Alles Gute!

      (Die Feh­ler in Ihrem Bei­trag habe ich übri­gens kor­ri­giert und den kor­ri­gie­ren­den Kom­men­tar danach gelöscht, damit es hier nicht zu unüber­sicht­lich wird!)

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