Vom Wert guter Bücher

Aufgeschlagenes Buch

Ein Plädoyer für das Buch

Die Erfin­dung des Buch­drucks und damit des Schrift­sat­zes mit beweg­li­chen Let­tern war eine der umwäl­zends­ten und fol­gen­reichs­ten der mensch­li­chen Kul­tur­ge­schichte. Der Autor macht sich Gedan­ken über Pro­dukte, die aus die­ser Erfin­dung her­vor­gin­gen. Über den Wert guter Bücher.

Heut­zu­tage und hier­zu­lande eine Dampf­lok zu sehen, kommt schon einem gro­ßen Glücks­fall gleich. Ver­bren­nungs­mo­to­ren sind immer noch gang und gäbe, obwohl diese Tech­nik durch den Kli­ma­wan­del zu Recht immer mehr in Ver­ruf gerät. Und dass die Com­pu­te­ri­sie­rung die Welt ver­än­derte, steht außer Frage, selbst für des­sen Kri­ti­ker. Die Ten­denz, ein Buch in die Hände zu neh­men und darin zu lesen, geht lei­der immer mehr zurück, obwohl es sie immer noch gibt und bei nor­ma­lem Gebrauch weder der Gesund­heit scha­den noch die Atmo­sphäre ver­gif­ten. Wenn Lite­ra­tur, dann aus dem Netz, und auch Hör­bü­cher wer­den immer beliebter.

Dabei geht das Bewusst­sein für den Wert guter Bücher nur lei­der verloren. 

Lesen am Bildschirm und gekürzte Hörbücher

Dass das Lesen am Bild­schirm auf Dauer gesund­heit­lich nicht gerade ange­bracht ist, dürfte bekannt sein. Davon abge­se­hen, dass Hör­buch­ver­sio­nen kur­sie­ren, die der­ma­ßen grau­en­haft gekürzt sind, dass die durch Kür­zun­gen ent­stan­de­nen Unge­reimt­hei­ten sogar Leu­ten auf­fal­len müss­ten, die das ent­spre­chende Buch nicht gele­sen haben, ist es schade, dass man sich damit eines ein­zig­ar­ti­gen Genus­ses beraubt, den das Lesen eines ech­ten Buchs bie­tet! Gutes Licht, eine bequeme Sitz­ge­le­gen­heit, even­tu­ell ein guter Wein und etwas zu rau­chen, und es lässt sich für Stun­den die Zeit ver­ges­sen und in eine andere ein­tau­chen — gera­dezu ein Weg zur Transzendenz!

Aber nicht nur Inhalte und Lese­at­mo­sphäre, son­dern auch das Medium Buch an sich kön­nen fas­zi­nie­rend sein! Mag sich die Ansicht durch­set­zen, dass die Zeit des bedruck­ten Papiers zur Wei­ter­gabe und Spei­che­rung von Infor­ma­tio­nen schon bald vor­bei sein wird: Bücher selbst blei­ben bestehen, und seien es einige hun­dert Jahre oder mehr. Von der mög­li­chen zeit­li­chen Begrenzt­heit der Halt­bar­keit digi­ta­ler Spei­cher­me­dien will ich hier erst gar nicht reden!

Uralte Bücher

Wäh­rend mei­ner befris­te­ten Aus­hilfs­tä­tig­keit in der Biblio­thek des Stä­del-Muse­ums hatte ich jeden Tag Dut­zende, wenn nicht gar Hun­derte von Büchern in der Hand. Eines der ältes­ten war ein Werk von 1751 über die Kai­ser- und Königs­grä­ber im Speye­rer Dom.

Im Gegen­satz zu vie­len Wer­ken aus dem letz­ten Jahr­hun­dert, deren Sei­ten oft ver­gilbt sind, blie­ben die eines Buchs aus, sagen wir, dem 18. Jahr­hun­dert, weiß. Aller­dings wel­len sie sich mit­un­ter mehr oder weni­ger stark. Damals wurde näm­lich oft auf hand­ge­schöpf­tem Hadern- bzw. Büt­ten­pa­pier gedruckt — heute eine Kost­bar­keit im Schreib­wa­ren­la­den! Es fühlt sich etwas rau an, da es frü­her nicht gewalzt wurde. Wenn Sei­ten nicht auf­ge­schnit­ten sind, lässt das dar­auf schlie­ßen, dass das Buch noch „jung­fräu­lich“ ist und auf seine Leser/-innen wartete.

Unglaubliche drucktechnische Qualität

Die Druck­far­ben sind durch Feuch­tig­keit oft etwas ver­wischt und erin­nern an Aqua­rell­far­ben, aber der Text ist trotz­dem les­bar. Das Schwarz ist mit dem Tief­schwarz moder­ner Farb­her­stel­lung nicht ver­gleich­bar: Es ist eher ein dunk­les Braun. Abbil­dun­gen wur­den ein­zeln mit der Hand auf leere Sei­ten geklebt oder als ganze Blät­ter in den Buch­block ein­ge­fügt, zusam­men mit Zwi­schen­blät­tern aus Per­ga­ment zum Schutz der Bil­der, da sie in einem geson­der­ten Druck­vor­gang her­ge­stellt wur­den. Davon abge­se­hen, dass der Ein­band und beson­ders der Buch­rü­cken oft stark in Mit­lei­den­schaft gezo­gen ist und sich löst, ist die eigent­li­che Bin­dung, die Faden­hef­tung, die jedes schlecht geleimte Taschen­buch heu­ti­ger Zeit alt aus­se­hen lässt, häu­fig noch völ­lig in Ordnung.

Auch habe ich im Licht­druck her­ge­stellte Kunst­dru­cke gese­hen, die von einer druck­tech­ni­schen Qua­li­tät waren, die mit kei­nem Aus­druck einer Off­set-Druck­ma­schine ver­gleich­bar ist. Allein schon des­halb, weil hier­für keine Ras­ter ver­wen­det wur­den, die jedes Motiv in mehr oder weni­ger große Punkte auf­lö­sen. Ergeb­nisse, die vom Ori­gi­nal einer Radie­rung oder eines Sti­ches so gut wie nicht zu unter­schei­den sind!

Vom Wert guter Bücher

Bücher sind Kunst­werke, die ent­spre­chend behan­delt wer­den wol­len. Zumin­dest dann, wenn es sich um ein typo­gra­fisch, druck­tech­nisch und buch­bin­de­risch hoch­wer­ti­ges Werk han­delt. Inhalt­lich natür­lich auch; dann kön­nen wir den Wert guter Bücher rich­tig schät­zen. Das Umkni­cken von Sei­ten­ecken als Lese­zei­chen etwa, wie ich es immer wie­der in aus Büche­reien aus­ge­lie­he­nen Büchern vor­finde, sollte sich von alleine ver­bie­ten. Für mich stellt das eine Schän­dung dar und ich denke, dass das viele ähn­lich empfinden!

Aber dazu müsste man ja erst ein­mal ein Buch in die Hand genom­men haben und sogar darin lesen …

(Die­ser Bei­trag wurde schon am 21. Dezem­ber 2009 in Ronalds Noti­zen ver­öf­fent­licht. Siehe zum Thema „Bücher“ hier z. B. auch „Ken­nen Sie das Neu­este auf dem Markt: BOOK?“, „Wer Bücher lesen kann …“ und „Von der Buche über Buch­sta­ben zum Buch“!)

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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