Antiquarische Abkürzungen, entschlüsselt und erklärt

Aufgeschlagenes Buch

Wenn Sie einmal ein antiquarisches Buch bestellen wollen, stoßen Sie immer wieder auf antiquarische Abkürzungen. Wir entschlüsseln und erklären sie.

Sie lesen noch? Ein richtiges Buch? Über den Wert guter Bücher haben wir hier bereits referiert. Doch nicht jedes Buch ist noch im Buchhandel erhältlich; manchmal müssen Sie es sich auf dem antiquarischen Weg besorgen. Hier werden Sie immer wieder mit den gleichen Abkürzungen konfrontiert. Meist beziehen sie sich auf den Einband und auf das Buchformat. Doch was bedeuten antiquarische Abkürzungen? Wir entschlüsseln und erklären die geläufigsten.

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Ein Antiquariat in Frankfurt am Main (Eva K./ Wikimedia Commons)

Antiquarische Abkürzungen und ihre Bedeutung

  • Abb.: Abbildung(en)
  • Aufl.: Auflage
  • Bd./Bde.: Band/Bände
  • Bn.: Berlin
  • Br.: broschiert, Broschur (Im Gegensatz zum gebundenen Buch ist der Buchblock an den Umschlag nur geklebt oder geheftet.)
  • EA: Erste Ausgabe, Erstauflage
  • Ebr.: englisch broschiert, Englische Broschur (Broschur mit einem unbedruckten Kartonumschlag, um den ein bedruckter Schutzumschlag gelegt ist)
  • Ffm.: Frankfurt am Main
  • Gb.: gebunden (jedes Buch mit einem festen Einband, gleich welcher Art, und einer soliden Heftung)
  • Gebl.: geblockt (hinten geleimt, ohne Einbanddeckel)
  • Gh.: geheftet (als Unterschied zum geklebten Buchblock)
  • Hf.: halbfranz (meist Bezeichnung für Bücher, deren Buchrücken und manchmal auch die Buchecken aus Leder bestehen, wobei die Buchdeckel mit Papier oder Textil überzogen sind)
  • Hl.: Halbleinen (Buchrücken aus einem Stoffgewebe, die Buchdeckel sind aus einem anderen Material)
  • Hld.: Halbleder (Buchrücken aus Leder, die Buchdeckel sind aus einem anderen Material)
  • kart., Kt: kartoniert (Der Umschlagkarton wird am Buchrücken angeklebt; die billigste Art der Buchherstellung, siehe Paperback.)
  • Kst: Kunststoff (Die Einbanddecke ist mit Kunststoff überzogen.)
  • Ld./Ldr.: Leder (Die Einbanddecke ist mit Leder überzogen.)
  • Ln., Lwd.: Leinen, Leinwand (Die Einbanddecke ist mit Leinen überzogen.)
  • m.OU.: mit Originalschutzumschlag
  • o.O.: ohne Ort (Erscheinungsort, Vertriebsort ist unbekannt)
  • Pb., Pdb:: Paperback, Pappband (aus den USA stammende Bezeichnung für kartonierte Bücher; einfachste und billigste Art der Buchherstellung, sehr schadanfällig: keine Bindung, Seiten mit dem Buchrücken verleimt)
  • Pg./Pgmt./Pgt.: Pergament
  • S.: Seiten
  • sign.: signiert (Unterschrift und oft auch persönliche Widmung des Autors; kein Mangel!)
  • s.l.: Sine loco (ohne Ort; siehe o.O.)
  • s.n.: Sine nomine (ohne Namen; Verlag, Vertriebsstelle ist unbekannt)

Hinzu kommen viele Erläuterungen, die auf Mängel hinweisen.

Mängelhinweise

    • im Bund gelockert: Bindung des Buches ist mangelhaft, die Festigkeit nicht mehr gegeben, häufig durch Überstreckung beim Aufschlagen, kann bei Paperbacks zur völligen Zerstörung des Buchs führen
    • Fingerfleckig: sichtbare Fingerabdrücke oder starke Verschmutzungen auf den Seiten des Buches
    • NaV.: Name auf Vorsatz (Vorbesitzervermerke oder -widmungen)
    • Schäden am Gelenk: Befestigung des Buchrückens ist mangelhaft
    • Schiefgelesen, schräggelesen: durch falsche Lagerung hervorgerufener verzogener Buchblock
    • Stockflecken: kleine oder flächige braune Flecken auf den Buchseiten, oft durch Feuchtigkeit bei stark holzhaltigem Papier; können allerdings auch als „Patina“ eines (sehr) alten Buches gelten
    • Teile des Kapitals fehlen: obere und/oder untere Enden des Buchrückens sind ausgebrochen
    • WaV.: Widmung (des Vorbesitzers) auf Vorsatz; siehe NaV.

Zu den größten Mängeln eines Buches zählen das Fehlen des ganzen Rückens oder wenn Teile des Kapitals (obere und/oder untere Enden des Buchrückens) ausgebrochen sind. Besonders das obere Kapital ist durch die Benutzung (Herausziehen aus dem Regal!) stark gefährdet, wodurch häufig auch das Gelenk (Verbindung des Buchdeckels am Buchrücken) in Mitleidenschaft gezogen wird.

Buchformate und Größenangaben

Die früheren Angaben der Buchformate leiteten sich aus der Blattzahl und den Druckbögen her ab und waren mit dem Zeichen ° versehen. So bedeutete 8° = Oktav = 8 Blätter bilden einen Druckbogen. Heute findet man diese Angaben nur noch bei alten Drucken; üblich ist inzwischen die Formatangabe aus der Höhe des Buchdeckels bzw. des Buchrückens.

  • 16°: Sedez (etwa 10 bis 15 cm Höhe des Buchrückens)
  • 12°: Duodez (13 bis 17 cm)
  • 8°: Oktav (18,5 bis 22,5 cm, häufigstes Maß, deshalb oft nicht extra ausgewiesen)
  • kl. 8°: Klein-Oktav (15 bis 18,5 cm)
  • gr. 8°: Groß-Oktav (22,5 bis 25 cm)
  • 4°: Quart (bis 35 cm)
  • 2°: Folio (bis 45 cm)
  • gr. 2°: Groß-Folio (über 45 cm)

Sind Ihnen weitere antiquarische Abkürzungen bekannt, die hier nicht aufgeführt wurden, lassen Sie es mich wissen!

Weitere Verweise

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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