Antiquarische Abkürzungen, entschlüsselt und erklärt

Aufgeschlagenes Buch

Wenn Sie ein­mal ein anti­qua­ri­sches Buch bestel­len wol­len, sto­ßen Sie immer wie­der auf anti­qua­ri­sche Abkür­zun­gen. Wir ent­schlüs­seln und erklä­ren sie.

Sie lesen noch? Ein rich­ti­ges Buch? Über den Wert guter Bücher haben wir hier bereits refe­riert. Doch nicht jedes Buch ist noch im Buch­han­del erhält­lich; manch­mal müs­sen Sie es sich auf dem anti­qua­ri­schen Weg besor­gen. Hier wer­den Sie immer wie­der mit den glei­chen Abkür­zun­gen kon­fron­tiert. Meist bezie­hen sie sich auf den Ein­band und auf das Buch­for­mat. Doch was bedeu­ten anti­qua­ri­sche Abkür­zun­gen? Wir ent­schlüs­seln und erklä­ren die geläufigsten.

Antiquariat 20081223
Ein Anti­qua­riat in Frank­furt am Main (Eva K./ Wiki­me­dia Commons)

Antiquarische Abkürzungen und ihre Bedeutung

  • Abb.: Abbildung(en)
  • Aufl.: Auf­lage
  • Bd./Bde.: Band/​Bände
  • Bn.: Ber­lin
  • Br.: bro­schiert, Bro­schur (Im Gegen­satz zum gebun­de­nen Buch ist der Buch­block an den Umschlag nur geklebt oder geheftet.)
  • EA: Erste Aus­gabe, Erstauflage
  • Ebr.: eng­lisch bro­schiert, Eng­li­sche Bro­schur (Bro­schur mit einem unbe­druck­ten Kar­ton­um­schlag, um den ein bedruck­ter Schutz­um­schlag gelegt ist)
  • Ffm.: Frank­furt am Main
  • Gb.: gebun­den (jedes Buch mit einem fes­ten Ein­band, gleich wel­cher Art, und einer soli­den Heftung)
  • Gebl.: geblockt (hin­ten geleimt, ohne Einbanddeckel)
  • Gh.: gehef­tet (als Unter­schied zum gekleb­ten Buchblock)
  • Hf.: halb­franz (meist Bezeich­nung für Bücher, deren Buch­rü­cken und manch­mal auch die Buch­ecken aus Leder bestehen, wobei die Buch­de­ckel mit Papier oder Tex­til über­zo­gen sind)
  • Hl.: Halb­lei­nen (Buch­rü­cken aus einem Stoff­ge­webe, die Buch­de­ckel sind aus einem ande­ren Material)
  • Hlwbd: Halbleinwand(ein)band (wie vorher)
  • Hld.: Halb­le­der (Buch­rü­cken aus Leder, die Buch­de­ckel sind aus einem ande­ren Material)
  • Hldrbd: Halbleder(ein)band (wie vorher)
  • Hpergbd: Halbpergament(ein)band (heute sehr selten)
  • kart., Kt: kar­to­niert (Der Umschlag­kar­ton wird am Buch­rü­cken ange­klebt; die bil­ligste Art der Buch­her­stel­lung, siehe Paperback.)
  • Kst: Kunst­stoff (Die Ein­band­de­cke ist mit Kunst­stoff überzogen.)
  • Ld./Ldr.: Leder (Die Ein­band­de­cke ist mit Leder überzogen.)
  • Ln., Lwd.: Lei­nen, Lein­wand (Die Ein­band­de­cke ist mit Lei­nen überzogen.)
  • m.OU.: mit Ori­gi­nal­schutz­um­schlag
  • o.O.: ohne Ort (Erschei­nungs­ort, Ver­triebs­ort ist unbekannt.)
  • Pb., Ppb.: Paper­back, Papp­band (aus den USA stam­mende Bezeich­nung für kar­to­nierte Bücher; ein­fachste und bil­ligste Art der Buch­her­stel­lung, sehr schad­an­fäl­lig: keine Bin­dung, Sei­ten mit dem Buch­rü­cken verleimt)
  • Pg./Pgmt./Pgt.: Per­ga­ment
  • S.: Sei­ten
  • sign.: signiert (Unter­schrift und oft auch per­sön­li­che Wid­mung des Autors; kein Mangel!)
  • s.l.: Sine loco (ohne Ort; siehe o.O.)
  • s.n.: Sine nomine (ohne Namen; Ver­lag, Ver­triebs­stelle sind unbekannt)

Hinzu kom­men viele Erläu­te­run­gen, die auf Män­gel hinweisen.

Mängelhinweise

  • im Bund gelo­ckert: Bin­dung des Buches ist man­gel­haft, die Fes­tig­keit nicht mehr gege­ben, häu­fig durch Über­stre­ckung beim Auf­schla­gen, kann bei Paper­backs zur völ­li­gen Zer­stö­rung des Buchs führen
  • Fin­ger­fle­ckig: sicht­bare Fin­ger­ab­drü­cke oder starke Ver­schmut­zun­gen auf den Sei­ten des Buches
  • NaV.: Name auf Vor­satz (Vor­be­sit­zer­ver­merke oder ‑wid­mun­gen)
  • Schä­den am Gelenk: Befes­ti­gung des Buch­rü­ckens ist mangelhaft
  • Schief­ge­le­sen, schräg­ge­le­sen: durch fal­sche Lage­rung her­vor­ge­ru­fe­ner ver­zo­ge­ner Buchblock
  • Stock­fle­cken: kleine oder flä­chige braune Fle­cken auf den Buch­sei­ten, oft durch Feuch­tig­keit bei stark holz­hal­ti­gem Papier; kön­nen aller­dings auch als „Patina“ eines (sehr) alten Buches gelten
  • Teile des Kapi­tals feh­len: obere und/​oder untere Enden des Buch­rü­ckens sind ausgebrochen
  • WaV.: Wid­mung (des Vor­be­sit­zers) auf Vor­satz; siehe NaV.

Zu den größ­ten Män­geln eines Buches zäh­len das Feh­len des gan­zen Rückens oder wenn Teile des Kapi­tals (obere und/​oder untere Enden des Buch­rü­ckens) aus­ge­bro­chen sind. Beson­ders das obere Kapi­tal ist durch die Benut­zung (Her­aus­zie­hen aus dem Regal!) stark gefähr­det, wodurch häu­fig auch das Gelenk (Ver­bin­dung des Buch­de­ckels am Buch­rü­cken) in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird.

Buchformate und Größenangaben

Die frü­he­ren Anga­ben der Buch­for­mate lei­te­ten sich aus der Blatt­zahl und den Druck­bö­gen her ab und waren mit dem Zei­chen ° ver­se­hen. So bedeu­tete 8° = Oktav = 8 Blät­ter bil­den einen Druck­bo­gen. Heute fin­det man diese Anga­ben nur noch bei alten Dru­cken; üblich ist inzwi­schen die For­mat­an­gabe aus der Höhe des Buch­de­ckels bzw. des Buchrückens.

  • 16°: Sedez (etwa 10 bis 15 cm Höhe des Buchrückens)
  • 12°: Duo­dez (13 bis 17 cm)
  • 8°: Oktav (18,5 bis 22,5 cm, häu­figs­tes Maß, des­halb oft nicht extra ausgewiesen)
  • kl. 8°: Klein-Oktav (15 bis 18,5 cm)
  • gr. 8°: Groß-Oktav (22,5 bis 25 cm)
  • 4°: Quart (bis 35 cm)
  • 2°: Folio (bis 45 cm)
  • gr. 2°: Groß-Folio (über 45 cm)

Sind Ihnen wei­tere anti­qua­ri­sche Abkür­zun­gen bekannt, die hier nicht auf­ge­führt wur­den, las­sen Sie es mich wissen!

Weitere Verweise

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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