Handy, zum Diktat!

Die Diktierfunktion von Handys wird gern genutzt. Doch nicht nur, dass dabei reichlich Fehler entstehen, nein, oft kommen bei Diktaten auf diesen mobilen Kommunikationsgeräten skurrile Wortschöpfungen heraus. Deshalb sollten Sie diktierte Nachrichten nicht ungeprüft versenden!

Samrtphone-Diktierfunktion
Die Diktierfunktion von Handys (Microsoft Clip art)

Die Diktierfunktion von Handys, wie mobile Kommunikationsgeräte gern und in Unkenntnis des englischen Originals genannt werden, wird heutzutage gern genutzt, weil man sich dadurch lästiges Tippen erspart. Doch bei dieser relativ neuen Zusatzfunktion entstehen reichlich Fehler. Aber nicht nur das: Oft kommen bei den Diktaten auf diesen mobilen Apparaten auch noch skurrile Wortschöpfungen heraus, wie der Artikel von Axel Hacke „Wie Handys neue Worte erfinden“ aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, Heft 46/2016, zeigt.

Dieser Tage hatte ich selbst einen etwas unbefriedigenden Austausch mittels der in ein Nachbarschafts-Netzwerk integrierten E-Mail-Funktion. Ich zitiere in originaler Diktion, Rechtschreibung und mit den ursprünglichen Zeilenumbrüchen:

Ich zum Beispiel diktiere nur noch!, Mir geht es um die Kommunikation und dass der andere mich versteht!
Wie geht es um den Inhalt, nicht um die Form !
sue gehen in keinster Weise damit um ,was ich ihnen versuchte klarzumachen!
Können Sie bitte aufhoeren auf Fehler zu achten Die ich schreibe! Denke Sie haben Sie ein Problem !

Noch Mals !ich diktiere hier vom Smartphone aus und ich achte jetzt nicht mehr so genau ,ob ich Fehler mache oder nicht! Da mein Tag mit soviel anderen Sachen voll gefüllt ,dass das in meiner Freizeit eigentlich egal ist !

Immer weniger Wert auf Rechtschreibung und Zeichensetzung

Hierbei handelt es sich keineswegs um eine Kommunikation unter Freunden, bei der man vielleicht mal über den Stil hinwegsehen könnte, sondern um die mit einem bislang völlig Unbekannten. Ausgangspunkt war eine in diesem Netzwerk in erbärmlich schlechtem Deutsch veröffentlichte Anzeige einer 15-jährigen Schülerin, die ihre Dienste als Babysitterin anbot. In einer Antwort fragte ich sie, was sie einmal werden wolle, und legte ihr nahe, statt des Babysittings doch besser Nachhilfe in Deutsch zu nehmen, weil das für ihre berufliche Zukunft immens wichtig sein könne. Was dem hier Zitierten offenbar missfiel. Dieses Zitat stammt übrigens auch aus diesem Schriftverkehr und zeigt besonders schön, welche seltsamen Zeilenumbrüche sich etwa bei falscher Verwendung des Bindestrichs ergeben:

Gerade im Internet wird heutzutage ,
eigentlich immer weniger auf die Rechtschreibung, und Komma -Setzung Wert gelegt!

Wertschätzung drückt sich dadurch aus, wie wir mit jemandem umgehen

Dictaphone
Diktieren früher: ein Dictaphone (Microsoft Clip Art)

Ich für meinen Teil hatte den Kontakt mit ihm abgebrochen – und wurde deswegen anschließend als „unhöflich“ bezeichnet. Aber fänden „sue“ es etwa höflich, wenn Sie von einem bislang völlig Unbekannten kontaktiert werden, der Ihnen solche Nachrichten schreibt? Dem „sue“ in seiner „Freizeit eigentlich egal“ sind?

Die Wertschätzung für einen anderen Menschen drückt sich dadurch aus, wie mit ihm umgegangen wird. Dazu gehört auch, wie mit ihm gesprochen bzw. geschrieben wird.

Merlin diktiert
Diktieren früher: Merlin im Mittelalter (Microsoft Clip Art)
Die Tatsache, dass sich der Absender in den gezeigten Beispielen noch nicht einmal die Mühe machte, das Diktierte zu prüfen und zu korrigieren, lässt auf den Stellenwert schließen, den das Gegenüber bei ihm einnimmt. Deshalb der Rat: Nachrichten, die Sie mittels der Diktierfunktion von Handys erstellen, sollten Sie nicht ungeprüft versenden. In offiziellen Bereichen sowieso, aber auch in privaten. Denn: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!

Nachtrag vom 10. Juli 2017: Haldebuckel

Am Wochenende erlebte ich in einem digital-elektronischen Austausch mit einer guten Freundin erneut, wie einfallsreich die Diktierfunktion von Handys mitunter daherkommt.

Sie berichtete mir, dass sie unter der Woche an einen Betriebsausflug, „nämlich einer Fahrt in einem kann“ [sic!], teilgenommen habe. Gemeint war natürlich ein Kahn! Weiter ging es in der Beschreibung mit dem Satz

Wir haben erfahren, dass ein Haldebuckel haben uns in den fünfziger Jahren aus bautechnischen Gründen geschlossen worden ist.

Auf meine Rückfrage, was ein Haldebuckel sei und was mit dem Satz überhaupt gemeint war, antwortete sie:

Ich weiß, dass sich das Programm immer mal was ausdenkt, was ich garantiert nicht diktiert habe. Manchmal ist es zum Lachen. Ich muss wirklich aufpassen wie ein Schießhund. Also welches diktierte Wort gemeint war, kriege ich jetzt auch nicht mehr zusammen. Früher konnte man wohl im Kreis um die Altstadt rumfahren mit dem Boot, was jetzt nicht mehr geht, weil man es in den fünfziger Jahren für Straßen- und Häuserbau zugeschüttet hat.

Aha! Dass sie mit dem Haldebuckel ein Ausflugsziel bei Kempten im Allgäu meinte, ist allerdings völlig ausgeschlossen. So beweist dieses Beispiel nicht nur erneut den Erfindungsreichtum der Diktierfunktion, sondern auch, dass Sie diktierte Nachrichten nicht ungeprüft versenden sollten.

(Siehe hier auch „Deutschtest nicht bestanden“ und „Unser Sprachniveau sinkt!“)

Ronald M. Filkas

Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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