Frankfurter oder frankfurterische Würstchen?

Fragezeichen

Zugegeben, die Frage ist rhetorisch. Wir alle wissen natürlich, dass es sich um Frankfurter Würstchen handelt. Aber wie bilden wir eigentlich Adjektive aus Ortsnamen? Und gilt hier die Groß- oder die Kleinschreibung?

Frankfurter Wuerstchen
Frankfurter Würstchen auf Kartoffelsalat (WordRidden/ Jessica Spengler/ Wikimedia Commons, CC-BY-2.0)
Bisweilen machen wir aus einem Mann oder einer Frau bzw. dessen oder deren Namen eine Eigenschaft: ein Adjektiv. Dies gilt auch für Ortschaften. So gibt es sowohl die genannten Frankfurter Würstchen als auch die frankfurterische Mundart. Wie bilde ich aber Adjektive aus Ortsnamen? Und schreibe ich sie nun groß oder klein?

Adjektive aus Personennamen

Im Beitrag „Hätten Sie’s gewusst: Apostroph?“ haben wir uns nebenbei bereits auch mit Adjektiven aus Personennamen beschäftigt. Zum Rekapitulieren:

Außerdem steht der Apostroph […] zur Markierung des Genitivs bei Substantiven, die auf s, ß, z oder x enden (Beispiele: Delacroix’ Gemälde, Peter Weiss’ Filme) und bei Ableitungen von Namen, die mit -sch gebildet werden (Beispiele: Schubert’sche Lieder, aber: schubertsche Lieder, Grimm’sche Märchen, aber: grimmsche Märchen).

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die mit der Nachsilbe „-(i)sch” gebildeten Eigenschaftswörter kleingeschrieben werden. Adjektive, die aus Personennamen gebildet sind, werden jedoch großgeschrieben, wenn die Grundform des Personennamens durch einen Apostroph verdeutlicht wird. Bei mehrteiligen Personennamen gilt übrigens die Verwendung des Bindestrichs:

die van-beethovensche Sinfonie,
van-Beethoven’sche Sinfonie.

Adjektive aus Ortsnamen

Kommen wir nun zum eigentlichen Zweck dieses Beitrags. Ähnlich wie gerade geschildert, verhält es sich mit den Adjektiven aus Ortsnamen. Sofern die Nachsilbe „-(i)sch“ verwendet wird, gilt die Kleinschreibung:

die frankfurterische Mundart,
das kölnische Duftwasser.

Das großgeschriebene (Echt) Kölnisch Wasser bildet allerdings eine Sonderform, da es sich hierbei um eine Marke handelt. Die Großschreibung gilt auch, wenn es sich um feststehende Begriffe wie den Bayerischen Wald handelt.

Geläufiger sind hier allerdings Endungen auf „-er”, die immer großgeschrieben werden:

die Frankfurter Mundart,
das Kölner Duftwasser.

Auch hier gilt übrigens die Bindestrichschreibung bei mehrteiligen Ortsnamen, die allerdings, im Gegensatz zu der bei mehrteiligen Personennamen, freier gehandhabt werden kann:

der Den Haager Gerichtshof,
die Den-Haager Friedenskonferenz.

Warum schreibt man Adjektive aus Ortsnamen groß?

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum Adjektive aus Ortsnamen, die auf „-er“ enden, groß- und nicht kleingeschrieben werden. Also: Warum schreibt man „Frankfurter“ und nicht „frankfurter“, „Kölner“ statt „kölner“? Eigenschaftswörter werden doch immer kleingeschrieben!

Die Antwort: Es handelt sich hierbei um einen Sonderfall, nämlich um substantivierte Adjektive.

Und nun lassen Sie sich Ihre Frankfurter Würstchen oder Ihre Frankfurter Grie Soß’ (Grüne Soße) oder den Handkäs’ mit Musik (Essig, Öl, Zwiebel, Pfeffer, Kümmel) schmecken! Vielleicht mit einem frankfurterischen Ebbelwoi (Apfelwein) dazu?

Weitere Verweise

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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