Von Sack-Gassen und Einbahn Straßen

Sie glauben, bei der Schreibung von Straßennamen könne man keine Fehler machen? Weit gefehlt! Wenn Sie das annehmen, lesen Sie besser nicht weiter – vielleicht müssten Sie danach Ihre Visitenkarten oder Briefköpfe neu drucken lassen.

Ein Unternehmen, das mit Typografie zu tun hat, gibt seine Adresse mit „Mergenthaler Allee“ an. Das ist für eine solche Firma peinlich, denn Ottmar Mergenthaler gilt als Erfinder der Linotype-Setzmaschine! Ein Grafikbüro sitzt in der „Senefelder Straße“. Auch peinlich, denn Alois Senefelder ist der Erfinder der Lithografie! Eine Druckerei befindet sich in der „Wittelsbacher Allee“. Ich würde dort nichts drucken lassen, falls diese Adresse auf deren Visitenkarten oder Briefköpfen steht: Die Allee führt nämlich keineswegs nach oder zum Wittelsbach; die Wittelsbacher sind ein altes Adelsgeschlecht!

Zusammen- versus Getrenntschreibung

Unterer Fauler Pelz Heidelberg
Ein Beispiel für die korrekte Schreibung von Straßennamen in Heidelberg (Immanuel Giel/ Wikimedia Commons)
Dies sind nur drei Beispiele aus der Wirklichkeit dafür, wie falsch die Schreibung von Straßennamen mitunter gehandhabt wird. Generell folgt diese zwar den üblichen orthografischen Richtlinien. Verbindungen aus einem substantivischen ersten und einem für Straßennamen typischen zweiten Teil werden zusammengeschrieben: Brunnenweg, Augustaanlage, Beethovenplatz, Goethestraße. Wie sonst auch, werden Komposita also zusammengeschrieben. Dies gilt auch für Verbindungen mit Namen auf -er, sofern diese Endung fester Bestandteil des Namens ist: Herderstraße, Am Römerberg, Adenauerplatz. Nur Ableitungen von Orts- und Ländernamen mit -er werden aber getrennt geschrieben, wie etwa bei Mainzer Straße, Kölner Allee, Schweizer Platz!

Ortsbezeichnung oder nicht?

RKH Linie 46, Dubliner Straße
Auch Beispiele für die korrekte Schreibung von Straßennamen und Ortsbezeichnung in Frankfurt (Melkom/ Wikimedia Commons; zum Vergrößern anklicken!)
Ahnen Sie es schon? Schreibungen wie „Mergenthaler Allee“, „Schwanthaler Straße“, „Senefelder Straße“, „Wittelsbacher Allee“ oder, wie hier vor Ort, „Oederweg“ oder „Bergerstraße“ sind demnach nämlich schlichtweg falsch. Grund: Bei Mergenthaler, Schwanthaler, Senefelder und Wittelsbacher ist die Endung auf -er fester Bestandteil des Namens. Die Schreibung der Straßennamen bezieht sich also, wie vorher erklärt, nicht auf (nicht existierende) Ortschaften namens Mergenthal, Schwanthal oder Senefeld. Hier gilt also die Zusammenschreibung: Mergenthalerallee, Schwanthalerstraße, Senefelderstraße, Wittelsbacherallee! Der Oeder Weg und die Berger Straße hingegen haben sehr wohl mit Ortsbezeichnungen zu tun: Die Oed war früher eine Einöde vor den Toren Frankfurts, den Stadtteil Bergen gibt es noch heute. Um zu wissen, ob es sich um Ortsbezeichnungen oder nicht handelt, sind jedoch oft gute Ortskenntnisse notwendig.

Falsche Leerzeichen

Neben den genannten Beispielen würden Sie den Theaterplatz also nur „Theater Platz“ und die Einbahnstraße nur „Einbahn Straße“ schreiben, wenn Sie unbedingt Deppenleerzeichen verwenden wollen. Auch für die vor Ort fast immer falsch geschriebene „Europa Allee“ gibt es Lösungen: Europaallee oder, in diesem Fall der zwei Vokale, Europa-Allee. Die „Sack-Gasse“ im Titel ist aber deplatziert.

Groß- oder Kleinschreibung?

Das erste Wort eines Straßennamens wird grundsätzlich groß geschrieben, ebenso Adjektive oder Zahlwörter, die Teil des Namens sind. Für Artikel und Präpositionen gilt das jedoch nur am Anfang: Breite Gasse, An der Bornhohl, Am Grünen Graben, An den Drei Pfählen. Bindestriche werden gesetzt, wenn die Bestandteile des Straßennamens aus mehreren Wörtern bestehen: Dr.-Kissinger-Straße, Willy-Brandt-Platz, Ernst-Ludwig-Kirchner-Straße. Und, nebenbei, wollen Sie „Straße“ in Großbuchstaben schreiben, wird ß durch ss ersetzt: STRASSE.

Fazit

Die Lange Straße ist nun einmal eine lange Straße, die Breite Gasse eine breite Gasse. (Oder waren es wenigstens früher einmal, bevor sie zurück- oder zugebaut wurden.) In Einzelfällen jedoch lauern auch hier Sackgassen. Es könnte nämlich durchaus sein, dass es an Ihrem Wohnort honorige Mitbürger namens Lange oder Breite gab, nach denen Straßen benannt wurden. Hier gälte dann nämlich die Zusammenschreibung!

In solch zugegeben seltenen Fällen, aber generell bei Unsicherheiten, empfiehlt es sich, Erkundungen einzuholen. Bevor Sie Ihre Visitenkarten oder Briefköpfe einstampfen und neu drucken lassen müssen!

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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