Gegen die Angstmacherei

Aufgeschlagenes Buch

Das Wörterbuch des besorgten Bürgers

Es wird viel Schindluder getrieben mit der Sprache. Nicht nur durch die und in der Werbung, sondern zurzeit auch und gerade in der politischen Diskussion. Wobei diese besonders in den sozialen Medien und Netzwerken stattfindet. Hier wird mit falschen Behauptungen manipuliert, oft ohne dass wir es bemerken. Das Wörterbuch des besorgten Bürgers will Abhilfe schaffen.

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Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit werden vermisst. Das Bild stammt nicht etwa aus der Mitte der 1930er-Jahre, sondern von einem PEGIDA-Aufmarsch in Dresden am 5. Januar 2015! (blu-news.org/ Flickr/ Wikimedia Commons)
Angst und Angstmacherei haben Konjunktur. Eine sogenannte Flüchtlingswelle oder auch eine Flüchtlingslawine „überschwemmt“ unser Land, das in den Augen ebenso sogenannter besorgter Bürger sowieso eine Deutschland resp. eine BRD GmbH ist. Wer versucht, wenigstens neutral mit dem Thema umzugehen, wird schnell als Gutmensch verunglimpft oder, falls es sich um Medien handelt, als Systemmedien und Lügenpresse, die ja doch nur wiedergeben, was „von oben“ angeordnet wird.

„Wir sind das Volk“, schallt es nicht nur auf den Straßen, sondern auch in Kommentaren. Eine schreiende Minderheit begehrt auf und versucht, eine Deutungshoheit zu erlangen. Linken Demonstranten, die gegen PEGIDA-„Spaziergänger“ oder gegen die AfD auf die Straße gehen, oder überhaupt aufgeklärten Menschen, die gegen die ewig gestrigen Ideen wenden, werden gern als Systemlinge bezeichnet oder, noch schlimmer, als Nazis! Dass ausgerechnet George Orwell, der mit seinem Werk „1984“ einen totalen und totalitären Überwachungsstaat ausmalte, noch von den „Besorgten“ herbeigezogen wird, um sich gegen den vermeintlichen Toleranzfaschismus zu äußern, ist hierbei nur ein kleiner Hohn der Beschichte.

Nazijargon wieder hoffähig machen

Titelbild Wörterbuch des besorgten BürgersDenn es geht noch schlimmer: Aktionen von Werbern oder von Firmen, die keine Anzeigen auf rechten Internetmedien schalten wollen, werden schon einmal mit der „Kauft nicht bei Juden“-Aktion der echten Nazis aus dem sogenannten Dritten Reich verglichen! Wohin das damals führte, wissen noch viele – aber viele wollen es nicht mehr wissen. Die Ähnlichkeit der Sprache und der Ideen, die hinter der „Argumentation“ der sogenannten besorgten Bürger stecken, ist oftmals aus dem Jargon der Nazis von gestern entlehnt. Es droht der Volkstod, das Land wird angeblich „entvolkt“, „völkisch“ soll wieder hoffähig werden. Dabei ist der Begriff des besorgten Bürgers selbst verharmlosend, wird bei dessen Gebrauch doch davon ausgegangen, dass es hierbei um Menschen mit berechtigten Anliegen geht.

Sprache schafft Realität

Sprache schafft Realität. Ohne dass wir es merken, hat sich die öffentliche Diskussion nach rechts verschoben. Das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ von Robert Feustel, Nancy Grochol, Tobias Prüwer und Franziska Reif will Licht ins Dickicht der „Besorgtensprache“ bringen.

Jenseits politischer Deutungsangebote geht es in diesem Buch um die Sprache der Besorgten. Die hat es in sich, nicht nur weil sie mit Eskapismus und derben Vereinfachungen glänzt.

heißt es im Vorwort (PDF, 95 kB).

Aus dem Inhalt

!!1!1!! • 89 • Abendland • Afrikaner • Ahu! • Altmedien • Altparteien • Angst • Antifa • Antifa e.V. • Asylant • Asylforderer • Asylindustrie • Asylkritik • Atheismus • Aufwachen • Aussterben • Bahnhofsklatscher • BRD GmbH • Bürger • Bürgerwehr • Christentum • christlich-jüdisch • Cui bono? • D-Mark • Danke, Merkel! • Demokratie • deutsche Frau • deutsche Sprache • Deutschland GmbH • Diktatur • direkte Demokratie • Ehre • Entvölkerung • Erika • etablierte Parteien • Euro • Europa • Extremismus • Fachkräfte • Fakten • Familie • Faschismus • Feminismus • Ficki-Ficki-Fachkräfte • Flüchtling I • Flüchtling II • Flüchtlingskrise • Flüchtlingslawine • Flüchtlingswelle • Freiheit • fremd • fremd im eigenen Land • Frieden • Frühsexualisierung • Gastfreundschaft • Gemeinschaft • Gender • Genderwahn • Gewalt • GEZ • Grenze • großer Austausch • Grundgesetz • Gummimuschi • Gutmensch • Heimat • Identität • Integration • Invasionsarmee • Islam • Islamisierung • Islamkritik(-er) • Klartext • kleiner Mann • Koran • Krieg • Kultur • Kulturbereicherer • Kulturkreis • Lindwurm • links • linksversift [sic!] • Lügenpresse • Maasmännchen • Mainstream • Manipulation • Männerhorden • Männlichkeit • Mauer • Maulkorb • Mausrutscher • Meinungsfreiheit • Merkeldiktatur • Merkeljugend • Minderheitenterror • Mitte • Multikulti • Muslim • Nation • Nazi • Nazikeule • Neger • passdeutsch • Patriotismus • Plünderung • Plüschpimmel • Political Correctness • Polizei • prorussisch • Rapefugees • Rasse • Rassismus • rechts • Rechtsstaat • Reconquista • Schande • Scharia • Schießbefehl • Schreikinder • Schuldkult • schwul • Sexismus • Smartphone • Sorge • Souveränität • Spaziergang • Staat • Statistik • Straßenkampf • Südländer/Südeuropäer • Systemling • Tabubruch • Terror • Thymos • Toleranzfaschismus • Überfremdung • Umerziehung • Umvolkung • Untergang des Abendlandes • USA • Verfassung • Verschwulung • Verteidigung • Volk • völkisch • Volksgemeinschaft • Volkstod • Volksverdünner • Volksverräter • Wahrheit • Weihnachten • Wende • Werte • Wirtschaftsflüchtling • Zigeunerschnitzel • Zionisten • Zitate

Das Wörterbuch des besorgten Bürgers entlarvt die Sprache der „Besorgten“ ais „Klaviatur stilisierter Angst“ und als damit einhergehende Angstmacherei. Lassen wir uns davon nicht vereinnahmen!

Weitere Verweise

Sprachlos-Blog
Wörterbuch des besorgten Bürgers im Sprachlos-Blog
Pro Asyl: Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile. Fakten und Argumente zur Debatte über Flüchtlinge in Deutschland und Europa

Ronalds Notizen: Ausländer
Ronalds Notizen: Der Nazi in uns
Ronalds Notizen: Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (19) über das Wort „völkisch“
Ronalds Notizen: Auf dem rechten Auge blind

Siehe hier auch
In der Wortwahl vergriffen: rechte Sprache in den Medien
In der Wortwahl vergriffen: völkisch
Was sind eigentlich Fake-News?

Nachtrag vom 21. Juni 2017: ein weiteres Werk zum Thema

Menschen, die für sich beanspruchen, für „das Volk“ zu sprechen, die also in einem Akt der Selbstermächtigung behaupten, Wahrheiten auszusprechen, die bereits für alle Welt feststehen, die sonst niemand ausspricht, die aber zugleich jeden, die dieser dogmatischen Setzung zu widersprechen wagen, pathologisieren, diffamieren und beleidigen, begegnen uns heutzutage fast überall in den (sozialen) Medien. Auch in Daniel-Pascal Zorns Buch „Logik für Demokraten. Eine Anleitung“. In seinem Essay macht er vier Kernthesen populistischen Denkens aus und gibt seinen Leserinnen und Lesern konkrete Argumentationshilfen an die Hand. Eine Besprechung dieses Buchs gibt es im Deutschlandfunk: „Daniel-Pascal Zorn: ‚Logik für Demokraten‘ – Training für den Umgang mit Populisten“ vom 16. Juni 2017.

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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