In diesem Jahr fanden und finden noch viele Veranstaltungen zum einhundertsten Geburtstag der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann statt. Auch im Radio gab und gibt es viele Sendungen wie etwa Lesungen ihrer Texte. So auch einen Text zur Sprachkritik von Ingeborg Bachmann: „Entwürfe zur politischen Sprachkritik”.
Sprachkritik von Ingeborg Bachmann
Im Rahmen der vielen Veranstaltungen zum einhundertsten Geburtstag der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann stieß ich auch auf diesen Text von ihr: „Entwürfe zur politischen Sprachkritik”. Sie verfasste ihn Ende der 1950er-Jahre. Er steht singulär in ihrem Werk und wurde, möglicherweise auch deswegen, erst 2005 aus dem Nachlass ediert. Darin verbindet sie Text- und Gesellschaftskritik miteinander und beschäftigt sich mit den Komponenten „Milieu und Sprache“, „Sprache zwischen Mann und Frau“ sowie mit dem Sprachgebrauch rund um die Begriffe und die Ideen von „Europa“ und dem „Westen“. Ungemein aktuell übrigens, gerade die letzten beiden Punkte!
Hier jedoch ein Zitat aus der Sprache von Mann und Frau:
Mann und Frau sind die Knechte einer Sprache. Es ist unwahr, dass sie sich selbst in den spontansten Zusammentreffen et cetera spontan äußern. Alle Begriffe sind ihnen vorgekäut von der Gesellschaft; sie finden nur innerhalb dieser Sprache statt. Und es gibt nur wenige, die überhaupt eine Möglichkeit in sich fühlen, gegen diesen Codex zu verstoßen und etwas zu äußern, was nicht bestimmt ist.
Gleich danach untersucht sie übrigens kurz die Sprache von Liebenden, was auch nicht uninteressant ist!
Sie finden die komplette Lesung (zehn Minuten) dieses Aufsatzes, wie ich diesen Text nennen möchte, auf ARD Sounds: „Ingeborg Bachmann: Entwürfe zur politischen Sprachkritik. Gelesen von Isis Krüger“.
Sämtliche Lesungen aus dieser Veranstaltungsreihe: ARD Sounds: Bachmann 100 – Erzählungen einer Ikone.
(Siehe hier beispielsweise auch „Language ist not truth“ und „Gendern oder nicht?“)

