Nach einem Doppelpunkt: groß oder klein?

Ob nach einem Dop­pel­punkt groß- oder klein­ge­schrie­ben wird, ist eigent­lich ganz ein­fach. Fin­den Sie nicht? Dann lesen Sie weiter!

All­täg­li­che Bei­spiele zei­gen, dass bei der Frage, ob nach einem Dop­pel­punkt groß- oder klein­ge­schrie­ben wird, zumin­dest große Unsi­cher­heit, wenn nicht gar Unkennt­nis herrscht. Ein Bei­spiel aus einem Rundschreiben:

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Rich­tig oder falsch?

Großschreibung nur bei nach dem Doppelpunkt folgenden Ganzsätzen

Der Duden sagt hier ein­deu­tig: falsch! Laut Regel 93 „wird das erste Wort eines Ganz­sat­zes groß­ge­schrie­ben“. Und bei unse­rem Bei­spiel folgt nach dem Dop­pel­punkt aber kein Ganz­satz! In Punkt 2 die­ser Regel heißt es nämlich:

Man schreibt nach einem Dop­pel­punkt klein, wenn der fol­gende Text nicht als Ganz­satz auf­ge­fasst wird. Das ist in der Regel bei Auf­zäh­lun­gen, bei spe­zi­el­len Anga­ben in For­mu­la­ren o. Ä. der Fall.

Die Groß­schrei­bung wie in einem vor allem in Medien oft gese­he­nen Bei­spiel wie etwa

Fuß­ball: Das Tor des Monats

ist eigent­lich auch falsch, da es sich nicht um einen dem Dop­pel­punkt fol­gen­den Ganz­satz han­delt. Betrach­tet man „Fuß­ball“ aber (nur) als eine Art Schlag­wort oder Res­sort für das eigent­li­che Thema „Das Tor des Monats“, dann hätte diese Schreib­weise zwar eine Chance auf Berech­ti­gung, sieht für mei­nen Geschmack aber trotz­dem nicht schön aus!

Laut Punkt 1 „kann [nach einem Dop­pel­punkt] groß- oder klein­ge­schrie­ben wer­den, wenn der fol­gende Satz (wie ein Teil­satz) auch mit Gedan­ken­strich oder Komma ange­schlos­sen wer­den könnte“.

Die Ver­wen­dung des Gedan­ken­strichs im Duden-Beispiel

Das Haus, die Wirt­schafts­ge­bäude, die Stal­lun­gen: Alles oder alles war den Flam­men zum Opfer gefal­len. (Denn man könnte auch schrei­ben: Das Haus, die Wirt­schafts­ge­bäude, die Stal­lun­gen – alles war den Flam­men zum Opfer gefallen.)

halte ich per­sön­lich aller­dings nicht für sehr gelun­gen. Merke aber: Nach einem Dop­pel­punkt wird nur groß­ge­schrie­ben, wenn der Teil danach ein Ganz­satz ist!

Angabe der Staatsangehörigkeit

Die Klein­schrei­bung nach dem Dop­pel­punkt gilt übri­gens auch bei Anga­ben von Staats­an­ge­hö­rig­keit bzw. Nationalität.

Ich besitze die deut­sche Staatsangehörigkeit.

Also heißt es etwa in Formularen:

Staatsangehörigkeit/​Nationalität: deutsch.

Wann überhaupt ein Doppelpunkt?

Es gibt ein aus­ge­zeich­ne­tes Mit­tel, um logi­sche Bin­de­wör­ter zu erspa­ren und über­haupt den Satz­bau zu ent­fet­ten: den Dop­pel­punkt. Lud­wig Rei­ners: Stil­kunst. Ein Lehr­buch deut­scher Prosa. Neu­be­ar­bei­tung von Ste­phan Meyer und Jür­gen Schiewe, 2. Auf­lage, Mün­chen 2004, Seite 106

Zunächst ein­mal (Regel 33) „steht (der Dop­pel­punkt) vor ange­kün­dig­ten wört­lich wie­der­ge­ge­be­nen Äuße­run­gen, Gedan­ken oder Textstellen“:

Ich sage: „Mit mir nicht!“

Im Wei­te­ren (Regel 34) steht der Dop­pel­punkt „vor ange­kün­dig­ten Auf­zäh­lun­gen, Anga­ben, Erläu­te­run­gen, Titeln usw.“ und (Regel 35) „vor Sät­zen, die das vor­her Gesagte zusam­men­fas­sen oder eine Schluss­fol­ge­rung dar­aus ziehen“:

Staats­an­ge­hö­rig­keit: deutsch
Gebrauchs­an­wei­sung: Man nehme …
Bröt­chen, Sem­mel, Schrippe, Weck: Wie sage ich’s richtig?

Allgemeines

Der Dop­pel­punkt, frü­her auch Kolon genannt, wird, wie das Komma oder das Semi­ko­lon, zu den Satz­mit­te­zei­chen gezählt. Vor ihm steht (im Unter­schied zum Fran­zö­si­schen) kein Leer­zei­chen, außer bei der Angabe von Misch­ver­hält­nis­sen oder Spielständen:

1 : 1

Heut­zu­tage wird der Dop­pel­punkt auch häu­fig bei Uhr­zei­ten ver­wen­det, wobei ich selbst die­ser Schrei­bung ableh­nend gegen­über­stehe. Das dem Dop­pel­punkt ähn­li­che Län­ge­zei­chen (ː) des Inter­na­tio­na­len Pho­ne­ti­schen Alpha­bets (IPA) zeigt an, dass der durch den vor­her­ge­hen­den Buch­sta­ben dar­ge­stellte Laut lang aus­ge­spro­chen wer­den muss:

Naht [naːt]

Des­sen Uni­code-Stan­dard-Num­mer (UCS) lau­tet übri­gens U+02D0, die des Dop­pel­punkts U+003A.

Siehe hierzu

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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