Pfingsten und Sprache

Fragezeichen

Was haben Pfings­ten und Spra­che mit­ein­an­der zu tun? Nun, ent­we­der wis­sen Sie es oder eben nicht. Je nach Ihrer reli­giö­sen Vor­bil­dung. Für all jene, denen es an die­ser man­gelt, erklä­ren wir es hier kurz.

Was Pfings­ten und Spra­che mit­ein­an­der zu tun haben, erschließt sich nicht gleich jeder und jedem. Men­schen mit einer gewis­sen reli­giö­sen Vor­bil­dung wis­sen hin­ge­gen, dass laut Apos­tel­ge­schichte 2 der Hei­lige Geist an einem bestimm­ten Ter­min und Ort unter außer­or­dent­li­chen Begleit­erschei­nun­gen auf die Apos­tel her­ab­ge­kom­men und die Wir­kung, das Fremd­spra­chen­wun­der, von Men­schen aus ver­schie­de­nen Län­dern bezeugt wor­den sei:

Als der Tag des Pfingst­fes­tes gekom­men war, waren alle zusam­men am sel­ben Ort. Da kam plötz­lich vom Him­mel her ein Brau­sen, wie wenn ein hef­ti­ger Sturm daher­fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschie­nen ihnen Zun­gen, zer­teilt und wie von Feuer, und setz­ten sich auf einen jeden von ihnen; und sie wur­den alle erfüllt von dem Hei­li­gen Geist und fin­gen an zu pre­di­gen in andern Spra­chen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

(ERF Bible­ser­ver: Apos­tel­ge­schichte 2, Luther­bi­bel 2017)

Dar­auf­hin stell­ten Ange­hö­rige zahl­rei­cher nicht­jü­di­scher Völ­ker fest, dass „ein jeder […] sie in sei­ner eige­nen Spra­che reden” hörte. Eben jenes „Fremd­spra­chen­wun­der”!


(Quelle: ZDF: „Sonn­tags: Spra­che ist Leben“, Bri­gitte Duc­zek, Mari­etta Pauli, 23. Mai 2021)

Das Wort und das Fest „Pfingsten“

Das deut­sche Wort „Pfings­ten“ ist abge­lei­tet von grie­chisch πεντηκοστὴ ἡμέρα pen­tē­kostē hēméra, deutsch ‚fünf­zigs­ter Tag‘. Die Bezeich­nung war im Deut­schen ursprüng­lich ein Dativ Plu­ral „an den Pfings­ten“, dann Nomi­na­tiv Plu­ral „die Pfings­ten“, schließ­lich Nomi­na­tiv Sin­gu­lar „das Pfings­ten“. In der Schweiz ist wei­ter­hin „die Pfings­ten“ als Plu­ral üblich.

Der Pfingst­sonn­tag ist somit immer der 50. Tag der Oster­zeit, also 49 Tage nach dem Oster­sonn­tag! Das Datum des Pfingst­fes­tes hängt damit also vom beweg­li­chen Oster­da­tum ab. Da das Chris­ten­tum am Oster­fest den Auf­er­ste­hungs­tag Jesu, also einen Sonn­tag, fei­ert, bege­hen wir auch das Pfingst­fest sie­ben Wochen nach Ostern stets an einem Sonntag.

Der Pfingst­mon­tag ist ein gesetz­li­cher Fei­er­tag in Deutsch­land, Öster­reich, den Nie­der­lan­den, Bel­gien, Frank­reich, Liech­ten­stein, Luxem­burg, Ungarn, Däne­mark, Nor­we­gen sowie in wei­ten Tei­len der Schweiz. Aber auch in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­rika, Kanada und Aus­tra­lien ist Pfings­ten ein Fei­er­tag. Hier in Frank­furt am Main war übri­gens bis in die 1990er-Jahre der „Wäld­che­s­tag“, ein Volks­fest am Nach­mit­tag des Pfingst­diens­tags, auch ein arbeits­freier (Halb)tag.

Im Gegen­satz zu Weih­nach­ten und Ostern ist Pfings­ten in den west­li­chen Län­dern hin­ge­gen kaum Teil der Zivil­re­li­gion. Aber, Hand aufs Herz, wäre es nicht wun­der­voll, alle Spra­chen der Welt ver­ste­hen und spre­chen zu können?

In die­sem Sinne: noch ein schö­nes rest­li­ches Pfingstfest!

(Siehe hier etwa auch „Eng­lisch als EU-Spra­che noch zeit­ge­mäß?“)

Ronald M. Filkas
Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert