In der Wortwahl vergriffen: das Netz

Es gibt Wörter, bei deren Gebrauch man sich vergreifen kann, weil sie unangemessen oder im jeweiligen Zusammenhang schlicht falsch sind. In loser Folge werden hier solche Wörter unter die Lupe genommen. Heute befassen wir uns mit „dem Netz“ und seinem vermeintlichen Tun.

So niedlich wie diese Oma googelt keiner – und das Netz liebt sie dafür. Stern, 15. Juni 2016

„Der Star im Netz“, „Das Netz lacht über …” usw.: Sicher sind Ihnen auch schon solche Schlagzeilen untergekommen. Journalisten aller Medien berichten immer wieder gern über das Lachen oder Toben des Netzes. Und das gern vorwiegend im Netz, obwohl es in Wirklichkeit überhaupt nichts tut! Die Annahme, das Netz könne lachen, toben, weinen oder sonst etwas tun, beruht allein auf der Sprach- und Denkfaulheit von Journalisten – und damit einer Minderleistung.

Faule Journalisten

„Wer heute derart pauschalierend vom Netz rede, habe früher gerne vom Stammtisch geschwafelt oder Ausdrücke wie ‚Wäschekörbe voller Post‘ und ‚die Leitungen liefen heiß‘ benutzt“, schreibt Hans Hoff in seiner Kolumne „Das Hoff zum Sonntag“ im Medienmagazin DWDL.de. Die gleichen Ausdrucksweisen wie früher also, nur die Kommunikationskanäle ändern sich. So etwas funktioniere auch heute, „wenn nur genügend faule Journalisten auf den Trendzug aufspringen“.

Das Netz und die Tüte Milch

Stellen Sie sich ein richtiges Netz vor, also eines, wie es Fischer benutzen, und kippen Sie eine Tüte Milch hinein, schlägt Hoff weiter vor. Sie wissen, was passieren wird: Der Inhalt der Tüte Milch fließt sofort wieder heraus. Im großen Unterschied zum virtuellen Netz: „Da bleibe das Überflüssige immer drinnen und schwappe so lange hin und her, bis wieder ein fauler Journalist kommt und sagt, was das Netz alles tut, obwohl es in Wirklichkeit gar nichts tut, sondern nur Echokammer des Tatsächlichen ist.“

„Im Falle eines Netzausfalls wenden Sie sich bitte an Ihren zuständigen Netzbetreiber“, empfiehlt Hans Hoff. Doch was tun beim Totalausfall der Journalisten?

Der Verweis

Hans Hoff: „Das Hoff zum Sonntag: ‚Faule Journalisten? Wenn das Netz lacht oder tobt‘“, Medienmagazin DWDL.de vom 25. September 2016

Ronald M. Filkas

Gelernter Schriftsetzer im Handsatz, Studium der Germanistik, zertifiziert abgeschlossene Fortbildungen „Web-Publishing Schwerpunkt DTP“ und Online-Redaktion, langjährige Erfahrungen als Schriftsetzer/ DTP-Fachkraft und als Korrektor und Lektor in Druckereien, Redaktionen und Verlagen. Mehr? Seite „Über mich“!

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