Es gibt Wörter, bei deren Gebrauch man sich vergreifen kann, weil sie unangemessen oder im jeweiligen Zusammenhang schlicht falsch sind. In loser Folge nehmen wir solche Wörter unter die Lupe. Heute geht es hier um das gerade zum Unwort des Jahres 2025 gewählte Wort „Sondervermögen”. Auf den zweiten Platz gelangte „Zustrombegrenzungsgesetz“, was auch nicht uninteressant ist.
Unwort des Jahres 2025 „Sondervermögen“ ist verschleiernd
Wie die Unwort-Initiative des Instituts für Germanistische Sprachwissenschaft der Philipps-Universität Marburg heute bekanntgab, ist „Sondervermögen” Unwort des Jahres 2025. In der Begründung heißt es:
Der Ausdruck Sondervermögen ist seit einigen Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent. Im Jahr 2025 wurde er im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet und prägte sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme.
Und weiter:
Die Jury kritisiert diesen Gebrauch, weil durch ihn Tatsachen verschleiert werden und wegen seiner manipulativen Wirkung. Dadurch werden demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert: Verständlichkeit und Aufrichtigkeit werden hinsichtlich der aufgenommenen Schulden vermieden. Wo politische Kommunikation alle Bürger:innen betrifft, ist das sprachkritische Einmahnen von Klarheit und Angemessenheit in der Sprache diskursethisch geboten.
„Zustrombegrenzungsgesetz“ entmenschlicht
An zweiter Stelle findet sich das Wort „Zustrombegrenzungsgesetz“. Das Wort sei „ein Ausdruck, der Zuwanderung mit der Wassermetapher als ‚Herbeiströmen in großen Mengen‘ darstellt und Zuwanderung dadurch negativ, d. h. als Bedrohung konnotiert“. Zudem seien Bezeichnungen aus dem Bereich dieser Metaphorik, „die sich auf Migration beziehen, […] bereits seit den 1950er Jahren in Gebrauch (z. B. Flüchtlingsstrom, Asylantenstrom, Flüchtlingsflut, Asylantenwelle, Flutwelle, Asyltsunami etc.)“. In der kritisierten Wortbildung werde „diese Diskriminierung zudem in Form eines Gesetzes institutionalisiert“.
Das persönliche Unwort des diesjährigen Gastes des Initiative Ronen Steinke lautet „Umsiedlung“. Damit „warben israelische wie auch amerikanische Politiker 2025 die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken“. Was wie eine Wohltat klinge, verschleiere „ein Verbrechen“.
Die vollständigen Begründungen:
Unwortstatistik 2025
Für das Jahr 2025 habe die Jury insgesamt 2631 Einsendungen erhalten.
Es wurden 553 Ausdrücke vorgeschlagen, von denen ca. 70 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen. Unter den häufigsten Einsendungen (mindestens 10 Einsendungen) – nicht alle von ihnen entsprechen strikt den Kriterien – waren u.a. [sic!]: Babyboomer (16), Brandmauer (22), Deal (215), Drecksarbeit (91), Friedensangst (582), hocheffizienter Verbrenner (22), kriegstüchtig (42), Ladeerlebnis (154), Sondervermögen (79), Stadtbild (141), tatsächlich (20), Technologieoffenheit (36), umstritten (427), Zustrombegrenzungsgesetz (17).
Unwort des Jahres 2024 war übrigens „biodeutsch“.
(Siehe hier etwa auch „‚KI-Ära‘ ist Wort des Jahres 2025“ und in meinen Notizen „Ultimativer Finanzkreislauf“!)


