
Das Bild zeigt EMBOLADA bei einem Auftritt. Hier spielen wir einen Samba-Reggae, ein Rhythmus, der in Salvador da Bahia entstand und nicht nur Samba und Reggae, sondern auch andere Rhythmen des Nordostens wie etwa religiöse des candomblé (z. B. ijexá) mischt. Das erkennt man daran, dass die repiniques mit zwei Stöcken gespielt werden, außer zumindest früher von Ilê Aiyê, die sie mit Hand und Stock spielten und damit einen ganz eigenen som, also sound schufen (toques e breque, MP3, 2 min 17 s, 2,1 MB, solo von mir gespielt; im Bundesstaat Bahia wird übrigens fast nur von repiques gesprochen). Auf dem Bild könnt ihr zwei davon in der Bildmitte sehen.
Im Samba-Reggae sind die 3-2-Clave oder der „umgedrehte“ Bossa-Nova-Schlag der snare drum des Schlagzeugs typische toques, also Spielmuster, der Gruppen, die sie mit zwei Stöcken spielen. Dem Erfindungsreichtum sind aber keine Grenzen gesetzt.
Der repinique oder repique (im brasilianischen Portugiesisch o repinique, also männlich!) ist eine Tenortrommel, die üblicherweise im Samba (o samba, also auch männlich!) mit einer baren Hand und einem Stock in der anderen gespielt wird. Diese Technik (GIF, 10 KB), bei der die bare Hand, den „Beat vorbereitend“, mindestens ebenso wichtig ist wie die Stockhand, ist nicht einfach zu erlernen (Übungen für Fortgeschrittene, MP3, 12 min 35 s, 11,5 MB)!
Diese Trommel ist, im Gegensatz zum anderen Sambainstrumentarium, das schon früher integriert wurde, erst seit den 1950er-Jahren in den Sambaschulen Rio de Janeiros gebräuchlich und europäischen Ursprungs. Die oben beschriebene Spielweise jedoch hat wohl afrikanische Wurzeln (man denke an die Sabar-Trommeln der Wolof im Senegal!). Es ist auch die Trommel der Solisten und Dirigenten, der mestres da bateria, die durch das Spielen bestimmter Rufe, den chamadas, den Ablauf einer batucada (eines reinen Perkussionsstücks) und der bateria (der Rhythmusgruppe) regeln und zudem ein sehr innovatives Instrument. Das Verb repinicar (das mir unbekannt ist und wohl eher repenicar für „gellen, schrillen“ oder repicar für „wiederholtes Spielen, Schlagen“ heißen muss!) bedeutet hingegen nicht, wie von einigen deutschen sambistas gern weitergegeben, „gegen den Beat schlagen“, denn das synkopierte Spiel ist typisch für die brasilianische Musik allgemein und nicht nur für dieses Instrument, sondern eher „laut und wiederholt spielen“! Hier einige einfache toques e breques (MP3, 2 min 16 s, 2,08 MB).
Überhaupt: die Lautstärke! Sie war wohl der Hauptgrund, weshalb die bei dieser Trommel und bei den tamborins früher aufgespannten Ziegen- bzw. Katzen- durch Nylonfelle ersetzt wurden, zumal sich solche Felle viel höher stimmen lassen, was wiederum der Lautstärke zugute kommt! Auch die Fertigung der Korpora aus Holz, wie ich sie von repiniques und tamborins noch kenne, ist fast vorbei, wobei die Verwendung von Metall nicht nur die Lautstärke erhöht, sondern den ganzen som der bateria schärfer macht: eben im Sinne von „repenicar o ritmo!“
Eine kleine Version des repinique mit dem Durchmesser etwa eines tamborim, die bacurinha, wird nur mit zwei dünnen, langen Stöcken und im samba duro gespielt, einem Rhythmus, dem durch die Arrangements der Perkussion der suingue des Samba hin zu einer Schwere (duro bedeutet „hart, zäh, schwer“) verschoben wurde. Bei der bekannten brasilianischen Gruppe Timbalada ersetzten die bacurinhas die tamborins aus der Vorgängergruppe Vai Quem Vem.
Die Handversion des repinique, der repique de mão, hat nur ein Fell auf einer Seite und wird, waagerecht umgehängt oder sitzend auf die Oberschenkel gelegt, mit der einen Hand auf dem Fell und mit der anderen auf dem Korpus gespielt und findet nur in kleinen Sambarunden und -gruppen wie im pagode oder im partido alto Verwendung. Der toque ähnelt dem des repinique, jedoch spielt die Hand auf dem Korpus die „Und“! Hier findet ihr ein PDF (28 KB) zu dieser Spielweise und hören könnt ihr sie auch: solo (MP3, 1 min 12 s, 1,11 MB) oder mit Gruppe (MP3, 5 min 10 s, 4,74 MB), jeweils von mir gespielt. „Erfunden“ hat dieses Instrument übrigens der Perkussionist Ubirany von Fundo de Quintal.

Der tan-tan (auch tantan oder tantã) ist länger, etwas größer im Durchmesser und tiefer gestimmt als der repique de mão, wird aber ähnlich gespielt und ergänzt diesen als Basstrommel. Der gehörte Rhythmus entspricht dem der surdos, den Basstrommeln im Samba.
Die cuíca ist ein Zylinder mit einem Fell auf einer Seite, in das ein Stöckchen eingelassen und befestigt wird, das mit einem nassen Läppchen gerieben wird, wobei die Tonhöhe zusätzlich durch Aufsetzen der Finger auf das Fell bestimmt werden kann. Dabei werden quiekende, grunzende, jauchzende, bellende und andere Geräusche erzeugt, die nicht nur rhythmisch, sondern auch zur Unterhaltung der Zuhörer eingesetzt werden können. Sowohl in Afrika (zum Beispiel bei den Kimbundu in Angola) als auch in Europa waren solche Reibetrommeln bekannt: Im Mittelalter gab es hier den „Rummelpott“, auch „Brummtopf“ genannt, bei dem der Reibestock jedoch oben aus einem Topf herausragte und oft aus einem Besenstiel bestand (Foto: Wikimedia Commons, GNU Free Documentation License).

Ein Instrument, das ich sehr mag und mein erstes brasilianisches überhaupt gewesen ist, wenngleich ich es nicht oft spiele (bei EMBOLADA leider gar nicht), ist der Musikbogen berimbau. Er ist afrikanischen Ursprungs; bei den Kimbundu in Angola wird er hungu genannt. Er besteht aus einem Holzbogen, über den eine Drahtsaite gespannt ist, die mit einem dünnen Holzstöckchen angeschlagen wird. Als Resonanzkörper dient ein am Bogen und über der Saite angebrachter ausgehöhlter Kürbis. Durch Abdrücken der Saite mit einer Münze oder einem flachen Steinchen werden zwei verschiedene Töne erzeugt, die durch Aufsetzen oder Abheben der Kalebasse, cabaça genannt, auf oder vom Bauch variiert werden können. Zusätzlich wird durch das Schütteln eines caxixi (sprich „kaschischi“), einer mit Samen gefüllten und aus Korb geflochtenen Rassel, ein zusätzlicher rhythmischer Effekt erzeugt. Dies Instrument findet hauptsächlich im afro-brasilianischen Kampftanz capoeira Verwendung, in dem seine toques die capoeiristas begleiten (Foto: Stefan Faust).

Wer mehr über dieses Instrument, seine Spielweise und seine toques erfahren möchte, kann bei mir ein PDF meiner Abschlussarbeit an der DTP AKADEMIE herunterladen (3,43 MB), die ich über dieses Thema verfasst habe. Sie ist aus rechtlichen Gründen mit einem Passwort geschützt, das aber bei mir erfragt werden kann. Es handelt sich um eine sechzehnseitige, farbige Broschüre im Format A5, die sich gut ausdrucken und heften lässt. Gegen eine kleine Schutzgebühr übernehme ich das.
In unregelmäßigen Abständen und nach Möglichkeit wird diese Seite durch weitere Informationen, Noten, Audiodateien und anderes ergänzt. Unterricht kann ich übrigens auch erteilen. Schreibt mir mal was ihr so wünscht!
Wer mehr über mich, instrumentos e ritmos brasileiros oder meine sonstigen beruflichen Fähigkeiten erfahren möchte (ich bin nämlich auch Schriftsetzer, Mediengestalter und mehr: siehe Ronald + Mediengestalter), schicke mir einfach eine E-Post.
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Dienstag, 29. November 2011, 11.11 Uhr.